Bergulme Rohling
Bergulme Rohling
Liebes Forum,
heute möchte ich ein weiteres Mitglied meiner Sammlung vorstellen. Vor etwa 12 Jahren habe ich am Rand eines Waldstücks ein paar einjährige Sämlinge mitgenommen. Das meiste waren Bergahorne. Aber ein Findelkind konnte ich lange Zeit nicht zuordnen. Mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass es sich um eine Bergulme Ulmus glabra handelt. Das erste Foto ist aus dem Jahr 2006. Die Ulme war von Anfang an sehr wüchsig, sie produziert an allen denkbaren Stellen Knospen. Deshalb hatte ich den Entschluss gefasst, sie nach einem Verfahren zu gestalten, das ich in einem Buch von Colin Lewis gefunden hatte. Er hat eine Sibirische Ulme im Freiland gezogen und dann komplett zurückgeschnitten, so dass nur noch der blanke Stamm blieb. Das Ziel war ein dicker Stamm mit erkennbarer Verjüngung.
Also erstmal ab ins Beet für drei Jahre. In 2010 habe ich die Ulme wieder in eine Trainingsschale gesetzt. Es hat keine fünf Wochen gedauert, bis die ersten Triebe sichtbar waren - Experiment geglückt!
Danach habe ich dann einige Äste frei durchtreiben lassen. Auf dem Foto aus 2015 sieht man in Nahaufnahme, wie sich die Spitze gestaltet. Ich lasse sie in diesem Jahr noch einmal wachsen, weil sich noch zwei Schnittstellen kurz unter der Spitze schließen sollen.
Jetzt ist der Baum aus meiner Sicht soweit, das ich an den Aufbau der Feinverzweigung gehen kann. Ich möchte dabei so vorgehen, dass ich die Äste bis zum Juni kräftig wachsen lasse und sie dann deutlich zurück nehmen, um Verzweigung anzuregen.
Das Nebari hat Anfangs Probleme gemacht und es gibt immer noch Arbeit. Die Bergulme tendiert dazu, sehr kräftige einzelne Wurzeln auszubilden. Auf dem Bild aus 2013 sieht man das gut. Diese dicke Wurzel habe ich in 2014 zurückgeschnitten. Daraufhin hat sie sich bis in den Stamm hinein komplett verabschiedet. In diesem März ist die Borke über dieser Stelle abgeplatzt und es ist ein keilförmiger Einschnitt entstanden, der Totholz präsentiert, das ich nicht haben will.
Was könnt ihr mir raten, wie ich diese Stelle behandeln soll? Ich würde sie einfach zufallen lassen. Bitte von dem Fahrradschlauch nicht irritieren lassen, an der Stelle ziehe ich neue Wurzeln.
Über Eure Hinweise würde ich mich freuen!
Detlef
heute möchte ich ein weiteres Mitglied meiner Sammlung vorstellen. Vor etwa 12 Jahren habe ich am Rand eines Waldstücks ein paar einjährige Sämlinge mitgenommen. Das meiste waren Bergahorne. Aber ein Findelkind konnte ich lange Zeit nicht zuordnen. Mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass es sich um eine Bergulme Ulmus glabra handelt. Das erste Foto ist aus dem Jahr 2006. Die Ulme war von Anfang an sehr wüchsig, sie produziert an allen denkbaren Stellen Knospen. Deshalb hatte ich den Entschluss gefasst, sie nach einem Verfahren zu gestalten, das ich in einem Buch von Colin Lewis gefunden hatte. Er hat eine Sibirische Ulme im Freiland gezogen und dann komplett zurückgeschnitten, so dass nur noch der blanke Stamm blieb. Das Ziel war ein dicker Stamm mit erkennbarer Verjüngung.
Also erstmal ab ins Beet für drei Jahre. In 2010 habe ich die Ulme wieder in eine Trainingsschale gesetzt. Es hat keine fünf Wochen gedauert, bis die ersten Triebe sichtbar waren - Experiment geglückt!
Danach habe ich dann einige Äste frei durchtreiben lassen. Auf dem Foto aus 2015 sieht man in Nahaufnahme, wie sich die Spitze gestaltet. Ich lasse sie in diesem Jahr noch einmal wachsen, weil sich noch zwei Schnittstellen kurz unter der Spitze schließen sollen.
Jetzt ist der Baum aus meiner Sicht soweit, das ich an den Aufbau der Feinverzweigung gehen kann. Ich möchte dabei so vorgehen, dass ich die Äste bis zum Juni kräftig wachsen lasse und sie dann deutlich zurück nehmen, um Verzweigung anzuregen.
Das Nebari hat Anfangs Probleme gemacht und es gibt immer noch Arbeit. Die Bergulme tendiert dazu, sehr kräftige einzelne Wurzeln auszubilden. Auf dem Bild aus 2013 sieht man das gut. Diese dicke Wurzel habe ich in 2014 zurückgeschnitten. Daraufhin hat sie sich bis in den Stamm hinein komplett verabschiedet. In diesem März ist die Borke über dieser Stelle abgeplatzt und es ist ein keilförmiger Einschnitt entstanden, der Totholz präsentiert, das ich nicht haben will.
Was könnt ihr mir raten, wie ich diese Stelle behandeln soll? Ich würde sie einfach zufallen lassen. Bitte von dem Fahrradschlauch nicht irritieren lassen, an der Stelle ziehe ich neue Wurzeln.
Über Eure Hinweise würde ich mich freuen!
Detlef
Re: Bergulme Rohling
Hallo Detlef,
da ich das selbe Buch habe (eins meiner ersten Bonsaibücher), kenne ich auch dein Vorbild - die Entwicklung der Ulme ist dir gut gelungen und du bist auf bestem Wege.
Was die abgestorbene Wurzel angeht... ob du das haben willst, oder nicht... jetzt ist es da.
Was du evtl. machen könntest, wäre wie bei jeder anderen größeren Narbe auch, die Ränder frisch anzuschneiden damit der Baum das Loch langsam aber sicher überwallt. Gib dem Baum ein paar Jahre Zeit.
da ich das selbe Buch habe (eins meiner ersten Bonsaibücher), kenne ich auch dein Vorbild - die Entwicklung der Ulme ist dir gut gelungen und du bist auf bestem Wege.
Was die abgestorbene Wurzel angeht... ob du das haben willst, oder nicht... jetzt ist es da.
Was du evtl. machen könntest, wäre wie bei jeder anderen größeren Narbe auch, die Ränder frisch anzuschneiden damit der Baum das Loch langsam aber sicher überwallt. Gib dem Baum ein paar Jahre Zeit.
Tschüüss, Michael
Schützt unsere Wälder, eßt mehr Biber!
Schützt unsere Wälder, eßt mehr Biber!
Re: Bergulme Rohling
schönes projekt, sieht vielversprechend aus.
da du ja schon viel weitblick in den jahren von 2009 gezeigt hast, wird es dir sicher nicht schwer fallen, die zeit abzuwarten, bis die totholzstelle wieder verwachsen ist. bis dahin hast du auch eine tolle krone auf dem baum.
da du ja schon viel weitblick in den jahren von 2009 gezeigt hast, wird es dir sicher nicht schwer fallen, die zeit abzuwarten, bis die totholzstelle wieder verwachsen ist. bis dahin hast du auch eine tolle krone auf dem baum.
liebe grüße
christian
christian
Re: Bergulme Rohling
Hallo Detlef,
die Ulme hat sich wirklich sehr schön gemacht. Nur solltest du drauf achten, den "Bogen" raus zu bekommen.
die Ulme hat sich wirklich sehr schön gemacht. Nur solltest du drauf achten, den "Bogen" raus zu bekommen.
Gruß Jürgen 
Wer nicht mit Pflanzen und Tieren kann, kann auch nicht mit Menschen.
Ich moderiere in blau, der Rest ist nur meine Meinung
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Ich moderiere in blau, der Rest ist nur meine Meinung
Re: Bergulme Rohling
Hallo,
und vielen Dank für die schönen Rückmeldungen. Der Bogen wirkt jetzt sicherlich etwas überzeichnet. Ich habe auf diesem Bild (hier ein Blick auf die andere Seite, ich habe mich noch nicht für Vorher- oder Rückseite entschieden) eingezeichnet, wo ich den Haupttrieb kappen möchte. Direkt unterhalb sind drei brauchbare Zweige, aus denen ich eine Spitze formen möchte.
Ich habe auch vor den Baum etwas zu drehen, so dass die Neigung dann nach Vorne kommt. Dann verschwindet der Bogen und die Neigung zum Betrachter hin ist ja auch ein erwünschte Effekt.
Grüße,
Detlef
und vielen Dank für die schönen Rückmeldungen. Der Bogen wirkt jetzt sicherlich etwas überzeichnet. Ich habe auf diesem Bild (hier ein Blick auf die andere Seite, ich habe mich noch nicht für Vorher- oder Rückseite entschieden) eingezeichnet, wo ich den Haupttrieb kappen möchte. Direkt unterhalb sind drei brauchbare Zweige, aus denen ich eine Spitze formen möchte.
Ich habe auch vor den Baum etwas zu drehen, so dass die Neigung dann nach Vorne kommt. Dann verschwindet der Bogen und die Neigung zum Betrachter hin ist ja auch ein erwünschte Effekt.
Grüße,
Detlef
Re: Bergulme Rohling
Hallo,
nach zwei Jahren hier ein update zu meiner Feldulme. Ich gönne ihr in diesem Jahr einen Topf mit mehr Volumen, nachdem sie die letzten beiden Jahre in dem Topf, der oben zu sehen ist, stand. Sie hatte dort zuletzt geschwächelt. Außerdem möchte ich, dass sich die offene Stelle am Übergang zur Wurzel schneller schließt.
Die Verzweigung hat sich etwas entwickelt, und ich habe etwas aufgeräumt und ein paar Äste entfernt, die dem Aufbau einer Vorderseite im Wege standen. Der Baum war bisher immer sehr wüchsig und kaum zu bremsen. Deshalb denke ich, dass ich durchaus mehr hätte einkürzen können.
Der Blick ist auf die geplante Vorderseite ausgerichtet. Ich hoffe, der Baum gefällt den Foristen. Ich würde mich über Anregungen und Hinweise aus dem Forum sehr freuen, insbesondere über Empfehlungen zum Aufbau von Feinverzweigung bei Ulmen!
Viele Grüße,
Detlef
nach zwei Jahren hier ein update zu meiner Feldulme. Ich gönne ihr in diesem Jahr einen Topf mit mehr Volumen, nachdem sie die letzten beiden Jahre in dem Topf, der oben zu sehen ist, stand. Sie hatte dort zuletzt geschwächelt. Außerdem möchte ich, dass sich die offene Stelle am Übergang zur Wurzel schneller schließt.
Die Verzweigung hat sich etwas entwickelt, und ich habe etwas aufgeräumt und ein paar Äste entfernt, die dem Aufbau einer Vorderseite im Wege standen. Der Baum war bisher immer sehr wüchsig und kaum zu bremsen. Deshalb denke ich, dass ich durchaus mehr hätte einkürzen können.
Der Blick ist auf die geplante Vorderseite ausgerichtet. Ich hoffe, der Baum gefällt den Foristen. Ich würde mich über Anregungen und Hinweise aus dem Forum sehr freuen, insbesondere über Empfehlungen zum Aufbau von Feinverzweigung bei Ulmen!
Viele Grüße,
Detlef
- bock
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- Wohnort: EU, D, S-H (z.Z. Langenhorn)
Re: Bergulme Rohling
Hallo Detlef,
die Äste sind ja noch relativ dünn, da würde ich das Augenmerk noch nicht so sehr auf die Feinverzweigung richten. Die geänderte Vorderseite kommt dem Baum zugute, auch dass du nochmal das Substratvolumen erhöht hast, wird die Entwicklung voranbringen. Ich würde langsam die gegenständigen Äste entfernen und bei den unverzweigten Trieben auf zwei bis drei Knospen zurückschneiden. Im oberen Drittel musst du sicher öfter schneiden als untenrum. Feinverzweigung kommt dann mit der Zeit - da musst du dann die Spitzentriebe der Äste öfter einkürzen und eventuell auch mal einen Blattschnitt machen, um die stammnäheren Knospen zum Austreiben anzuregen.
Ach ja - ist es nun eigentlich eine Berg- oder eine Feldulme?
die Äste sind ja noch relativ dünn, da würde ich das Augenmerk noch nicht so sehr auf die Feinverzweigung richten. Die geänderte Vorderseite kommt dem Baum zugute, auch dass du nochmal das Substratvolumen erhöht hast, wird die Entwicklung voranbringen. Ich würde langsam die gegenständigen Äste entfernen und bei den unverzweigten Trieben auf zwei bis drei Knospen zurückschneiden. Im oberen Drittel musst du sicher öfter schneiden als untenrum. Feinverzweigung kommt dann mit der Zeit - da musst du dann die Spitzentriebe der Äste öfter einkürzen und eventuell auch mal einen Blattschnitt machen, um die stammnäheren Knospen zum Austreiben anzuregen.
Ach ja - ist es nun eigentlich eine Berg- oder eine Feldulme?
liebe Grüße Andreas
Ein Leben ohne Bonsai ist möglich - aber völlig sinnlos!
besucht mich auf flickr
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Re: Bergulme Rohling
Hallo, Andreas!
Wenn ich das genau wüßte, ich tendiere aber stark zur Bergulme. Ulmen neigen zu Hybridisierungen, so dass ich mich nicht eindeutig festlegen möchte. Sobald das Laub ausgebildet ist, werde ich mal ein Foto einstellen.
Gruß, Detlef
Wenn ich das genau wüßte, ich tendiere aber stark zur Bergulme. Ulmen neigen zu Hybridisierungen, so dass ich mich nicht eindeutig festlegen möchte. Sobald das Laub ausgebildet ist, werde ich mal ein Foto einstellen.
Gruß, Detlef
- bonsaiheiner
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Re: Bergulme Rohling
Hallo Detlev,
der Austrieb in 2016, die Knospen im Winter 2017/18, das spricht mMn eher für Feldulme, was ganz und gar kein Nachteil ist und mit der klappts auch besser und zeitiger hinsichtlich der Feinverzweigung. Beispiele dafür gibt´s doch reichlich hier im Forum.
Gruß,
Heiner
der Austrieb in 2016, die Knospen im Winter 2017/18, das spricht mMn eher für Feldulme, was ganz und gar kein Nachteil ist und mit der klappts auch besser und zeitiger hinsichtlich der Feinverzweigung. Beispiele dafür gibt´s doch reichlich hier im Forum.
Gruß,
Heiner
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Re: Bergulme Rohling
Die Entwicklung der Borke zeigt, dass der Baum nicht mehr ganz jung ist. Geht aus Deinem Thread ja auch hervor.
Zuletzt geändert von bonsaiheiner am 14.03.2018, 23:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Bergulme Rohling
Hallo Detlev,
Ich finde die Ulme spiegelt einen natürlichen Gesamteindruck des Baumes wieder, gefällt mir gut. Dazu eine tolle Rinde und ein konischer Stammansatz. Die Primäräste verzweigen sich zu weit außen, hier könnte konsequenter Rückschnitt den Baum weiter voranbringen.
Würdest du den damaligen „Nacktschnitt“ heute nochmal so durchziehen?
Grüße
Rainer
Ich finde die Ulme spiegelt einen natürlichen Gesamteindruck des Baumes wieder, gefällt mir gut. Dazu eine tolle Rinde und ein konischer Stammansatz. Die Primäräste verzweigen sich zu weit außen, hier könnte konsequenter Rückschnitt den Baum weiter voranbringen.
Würdest du den damaligen „Nacktschnitt“ heute nochmal so durchziehen?
Grüße
Rainer
„I like food and sunshine and wine - preferably all three together.“
Laura Simmons
Laura Simmons
Re: Bergulme Rohling
Hallo, Reiner,
ja, den Schnitt würde ich bei dieser Species wieder so machen. Die Zahl der Triebe ist dann so groß, dass man Auswahl genug hat. Als noch nicht so erfahrener Bonsaianer ist mir das aber noch nicht so gut gelungen.Auch jetzt bildet der Baum reichlich Triebe aus dem Stamm.
Die Feinverzweigung ist mein nächstes Ziel. Dazu will ich erst einmal wie von Andreas angeregt die Äste kräftigen und sie dann Stück für Stück zurücknehmen.
Grüße, Detlef
ja, den Schnitt würde ich bei dieser Species wieder so machen. Die Zahl der Triebe ist dann so groß, dass man Auswahl genug hat. Als noch nicht so erfahrener Bonsaianer ist mir das aber noch nicht so gut gelungen.Auch jetzt bildet der Baum reichlich Triebe aus dem Stamm.
Die Feinverzweigung ist mein nächstes Ziel. Dazu will ich erst einmal wie von Andreas angeregt die Äste kräftigen und sie dann Stück für Stück zurücknehmen.
Grüße, Detlef


