Vorstellung und erste Frage

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Anna-Verena
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Vorstellung und erste Frage

Beitrag von Anna-Verena » 12.01.2019, 14:34

Hallo zusammen,
mein Namme ist Anna-Verena und mich hat um Weihnachten herum das Bonsai-Fieber gepackt. Eigentlich habe ich meiner Cousine ein sogenanntes Bonsai-Kit geschenkt und dachte, dass es sich um spezielle Samen handelt, aus denen dann Minibäumchen wachsen (ja, Ihr dürft jetzt lachen).
Dann begann ich mich einzulesen und wurde immer fasszinierter. Ein Hobby, in dem einzelne Schritte lauten "und dann erstmal 2 Jahre gar nichts machen"....das ist die perfekte Entschleunigung. Mit 43 Jahren bin ich auch gerade noch nicht zu alt, um damit zu beginnen. In den letzten Wochen habe ich dann 7-8 Bonsai-Bücher gelesen und auch hier allerlei Nützliches im Forum gefunden. Jetzt wollte ich gerne meinen Plan für mein erstes Projekt vorstellen und fragen, ob das so aus Eurer Sicht Sinn macht.

Für die nächsten 8-10 Jahre plane ich eine Anzucht von heimischen Bäumen, sowohl aus Samen, als auch aus dem Wald meines Arbeitgebers, bzw. aus der Baumschule. Das sollte mich erstmal beschäftigen. Um aber mal ein bischen zu üben, habe ich mich hier umgesehen und entdeckte einen Minificus verwaist und verwahrlost im Zimmer meiner Tochter. Dieser stammt, wenn ich mich recht erinnere aus einem namhaften nordischen Möbelhaus vor 4 Jahren, welches allerdings nicht sonderlich für die Qualität seiner Pflanzen berühmt ist. Damals war er mit einem Draht umwickelt, so dass die Stämmer alle in sich verdreht wurden und hatte einen runden Kronenschnitt. Den Draht hab ich jetzt erst mal entfernt. 4 Jahre Verwahrlosung haben die Sache auch nicht besser gemacht und er sieht ziemlich kränklich aus. Also das perfekte Objekt um zu üben. Durch die Ministämme schwebt mir eine Waldgestaltung vor.
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Mein Plan wäre also:
1) im Spätfrühling umtopfen, dabei Wurzeln begutachten, auskämmen und versuchen vorsichtig zu vereinzeln, d.h. jede Pflanze in ein eigenes Töpfchen. Dabei gleichzeitig totes Astwerk abschneiden und zurechtschneiden. 1-2 Blätter jeweils stehen lassen.
2) ca. 2 Jahre in Ruhe lassen, dabei regelmässig düngen, pflegen, etc und hoffen, dass die meisten Pflanzen überleben.
3) Dann Wurzeln nochmal bearbeiten, Äste bearbeiten und in Waldanordnung bringen.

Meine Frage: Wurzeln beschneiden und Blätter/Äste beschneiden mache ich besser um ein Jahr zeitversetzt oder gleichzeitig? So wie ich es verstanden habe, wäre es vermutlich besser es gleichzeitig zu machen, aber ich befürchte, dass die Vereinzelung der Wurzeln schon so viel Stress bedeutet, dass die Pflanzen dann eher eingehen? Oder die Pflanzen nur umtopfen so wie sie sind, ohne sie zu trennen und erst mal ein weiteres Jahr nur hochpäppeln?

Ich werde auf jeden Fall in diesem Jahr noch einen Bonsai-Kurs machen, um die Techniken besser zu lernen - das kriege ich alleine aus Büchern vermutlich nicht gut hin.

Soviel erst mal dazu, ich freue mich auf Eure Anmerkungen.
Achja...und könnt Ihr mir ein vertiefendes Bonsai-Buch empfehlen? Irgendwie wiederholt sich vieles und über die Stilrichtungen, Auswahl der richtigen Schale (da reden wir im Moment noch gar nicht drüber) und einen Überblick über die einzelnen Pflanzenarten und ihre Bedürfnisse, sowie Pflegegrundlagen (Wurzeln, drahten, schneiden) hinaus würde mich was interessieren, was mehr in die Tiefe geht, also zum Beispiel Anzucht aus Samen, etc.

Liebe Grüße
Anna-Verena

Michael 86
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Re: Vorstellung und erste Frage

Beitrag von Michael 86 » 12.01.2019, 14:40

Hallo und willkommen Anna-Verena

Diese Stamme zu vereinzeln wird sehr aufwändig und riskant (vereinzelter Verlust möglich, aber nicht garantiert). Aber Ficus verschmilzt auch sehr gerne, wenn er zusammen gebunden bleibt. Gut möglich dass das die ursprüngliche Absicht war.
Aus diesen dünnen Stämmchen also einen Stamm und die Hauptäste zu formen und zusammen wachsen zu lassen ist/wäre also eine gute Idee für die Zukunft.
Grüße Michael :)

Anna-Verena
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Re: Vorstellung und erste Frage

Beitrag von Anna-Verena » 12.01.2019, 14:52

Hallo Michael,
vielen Dank für Deinen Rat. Also würde ich den Hauptstamm wieder verdrahten und dann ggf. auch einzelne Äste zusammenbinden und formen? Hmm..klingt gut. Ich sinnier mal drüber nach....
Liebe Grüße
Anna-Verena

Michael 86
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Re: Vorstellung und erste Frage

Beitrag von Michael 86 » 12.01.2019, 19:38

Hallo

Ja, nur nicht mit Draht. Draht wächst einfach sehr gerne ein in die Rinde. Ich habe so etwas ebenfalls angefangen aus einer Spielerei und schlechten Wurzeln der Stecklinge. Bast ist wohl deutlich besser zum zusammenbinden. Aber auch da würde ich rechtzeitig mal nachschauen. Wie man das mit den Ästen macht bleibt dem Gestalter überlassen. Man kann den Stamm aufteilen und Substämme mit verschiedenen Ästen formen, oder auch einfach jeden einzelnen Steckling als Ast nehmen, mit einem durchgehenden Stamm. Das wäre halt für diese Pflanze meine Idee. Ansonsten kann man da sicher auch Stecklinge davon machen und den Wald versuchen.

Aber die Stämmchen machen keinen gesunden Eindruck. Die Pflege könnte optimiert werden. Schrittweise die Erde tauschen und schrittweise flacheres Gefäß. Mehr Licht und Dünger. Freiluft.... Aber du hast ja schon gelesen, ich denke das wird dir klar sein, dass man da mehr raus holen kann.
Grüße Michael :)

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Harrybo
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Re: Vorstellung und erste Frage

Beitrag von Harrybo » 12.01.2019, 20:05

Hallo Anna-Verena,
So wie ich Deine Pflanze sehe, dürften die einzelnen Stämme, schon gut an den Wurzeln verwachsen sein.
Deshalb würde ich diese auch nicht mehr trennen. Weiter würde ich die abgestorbenen Zeige und Stämme gleich entfernen und
den Baum, durch einen sehr hellen Standort, mit regelmäßiger Düngergabe, sich kräftigen lassen.
Je nach Standort könnte das schon Mitte Februar erreicht sein. In der Zwischenzeit kannst Du dir ja Gedanken machen, wie Dein
zukünftiger Bonsai einmal aussehen soll. Einen Ficus kannst Du normalerweise immer Umtopfen, wenn die Bedingungen stimmen.
Dann kannst Du auch die Wurzel ordnen und den Baum in eine flachere Schale setzen und gut fixieren.(keinen Untersetzer!)
Die Stämme kannst Du ineinander verflechten und dann mit einer dünnen Mullbinde ,fest verbinden.
Wenn Du jetzt drahtest, kannst Du den Baum in die gewünschte Form bringen, ohne große Bruch und Gefahr von Drahtspuren.
Nun wieder kräftig durchtreiben lassen!
So nun hoffe ich, dass ich Dir weiterhelfen konnte und wünsch dir viel Erfolg!
Harrybo[attachment=1]Ficus 93 nach Blattschnitt 2.12.18.jpg[/attachment][attachment=0]Ficus 93 Verzweigung.jpg[/attachment]
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Ficus 93 nach Blattschnitt 2.12.18.jpg
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Re: Vorstellung und erste Frage

Beitrag von ania » 13.01.2019, 00:45

Deinen Ficus würde ich erstmal durch bessere Pflege, Umtopfen in gutes Substrat, evtl. breiteren Topf, viel Sonne, düngen u.s.w. aufpäppeln, bis er richtig grün und gesund ist (in 1 Jahr?). Und erst dann gestalten. Wenn er vor Kraft strotzt, kann man dann auch radikaler schneiden und gestalten, ohne um das Leben der Pflanze zu fürchten.

Um Wurzeln neu zu bilden, braucht es Blattmasse und die Hormone aus den Triebspitzen, daher nicht Wurzeln und Äste gleichzeitig schneiden. Ob jetzt ein Jahr dazwischen liegen soll oder weniger, hängt von der Vitalität der Pflanze ab.

Vom ineinander Verflechten der Stämme habe ich gehört, dass sie sich dann gegenseitig abschnüren sobald sie dicker sind. Das gilt nicht für parallel eng aneinander kuschelnde Stämme, die haben ja nach außen immer Raum zum weiterwachsen.

In diesem Blog gibt es eine Unmenge von Artikeln über Ficus:
www.adamaskwhy.com/?s=Ficus&submit=Search

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Re: Vorstellung und erste Frage

Beitrag von achim73 » 13.01.2019, 13:57

den Baum, durch einen sehr hellen Standort, mit regelmäßiger Düngergabe, sich kräftigen lassen.
Je nach Standort könnte das schon Mitte Februar erreicht sein.
harry, dann musst du aber dazu schreiben, dass in deinem fall "sehr heller standort" eine zusatzbeleuchtung bedeutet.

ohne die wird der ficus bis februar selbst am hellsten südfenster - wenn das wetter halbwegs so bleibt - nicht viel aktivität zeigen.

nur für einen neuling zum einordnen...
Gruss, Achim
"Der kürzeste Weg zum Glück ist der Weg in den Garten"
chinesische Weisheit

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Re: Vorstellung und erste Frage

Beitrag von Harrybo » 13.01.2019, 14:16

Ja Achim, dass ist richtig!
Allerdings nehmen bei mir, die Pflanzen schon ab ende Januar, an einem Südfenster deutlich fahrt auf, auch ohne
Zusatzbeleuchtung. Das ist natürlich vom Wetter abhängig.

Gruß Harrybo

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Re: Vorstellung und erste Frage

Beitrag von Anna-Verena » 13.01.2019, 18:04

Ganz herzlichen Dank Euch für die vielen Infos. Bin ganz begeistert, was man so alles dann doch mit mehrstämmigen Fici (ist das die Mehrzahl von Ficus?) machen kann.
Und danke für den weiterführenden Link, da guck ich mal heute abend rein.
Ich habe ihn heute erst mal umgetopft, die toten Zweige entfernt und an das hellste Fenster gestellt (Süd-Ost).
Jetzt hoffe ich mal, dass er sich erholt. Die Wurzeln waren tatsächlich richtig miteinander verschmolzen, da wäre nix mit separieren gewesen.
Düngen werd ich dann so in 2-3 Wochen (das soll man ja anscheinend nicht nach dem Umtopfen machen, wenn ich das richtig verstanden habe, zumal es anscheinend Übung braucht um die verfestigte Erde so rauszukriegen, dass die Wurzeln nicht beschädigt werden).
Die Blätter hatte ich jetzt doch schon geschnitten, die Blatt-Stengel und neuen Triebe aber stehen gelassen.
Na gut. Jetzt erst mal beobachten, weiter einlesen und mal demnächst ein paar Kurse buchen....
Lieben Dank Euch
Anna-Verena

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Re: Vorstellung und erste Frage

Beitrag von Michael 86 » 13.01.2019, 20:37

Anna-Verena

Die wenigen Blätter hast du ihm noch genommen. Die hätte er gut gebrauchen können.
Grüße Michael :)

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ania
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Re: Vorstellung und erste Frage

Beitrag von ania » 14.01.2019, 09:06

Was war der Zweck des Blattschnitts?
Die Frage würde ich mir vor jeder Pflege- oder Gestaltungsmaßnahme stellen. Ziele? Risiken? Richtiger Zeitpunkt?

Blätter werden für Photosynthese benötigt, Photosynthese erzeugt Kohlenhydrate, diese werden für den Aufbau neuer Zweige und Blätter und Wurzeln benötigt.
Ohne die Blätter zehrt die Pflanze nur mehr von Vorräten in Stamm und Wurzeln, und bei deinem offensichtlich geschwächten Ficus dürfte da nicht mehr viel zu holen sein, zumal die Wurzeln auch durch das Umtopfen etwas ramponiert wurden.

Feigen sind robust, man kann also trotzdem hoffen, ich würde da jedenfalls erstmal nicht mehr dran rumschnibbeln, sondern versuchen die Pflege in den Griff zu bekommen. Was schon tot ist, kann man natürlich immer wegschneiden.

Ich mache bei meinem Ficus Blattschnitt bevor ich ihn im Frühling nach draußen in die volle Sonne stelle, damit er sofort neue Sonnenblätter bilden kann. Triebspitzen lasse ich zu diesem Zeitpunkt dran, damit er keine Äste abwirft. Aber das Ganze nur wenn er vital ist und die Ressourcen dafür hat.

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