Bizarre Hainbuche

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Michael 86
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Bizarre Hainbuche

Beitrag von Michael 86 » 11.02.2019, 08:59

Hallo Zusammen

Auf der Trophy bin ich einer Hainbuche begegnet, die mich irgendwie gefesselt hat. Erst war ich skeptisch, ob ich damit klar komme, war dann aber mutig und habe zugeschlagen. So etwas habe ich in meiner Sammlung noch nicht und sie ist etwas eigen. Nichts was ich so irgendwie häufiger gesehen habe. Teilweisetote Wurzelstümpfe, kein Nebari, wie gewöhnlich, harter geschnittener Stamm. Die Hainbuche braucht sicher noch viel Entwicklung und Zeit. So mancher kann erahnen, in welche Richtung der Baum sich entwickeln könnte. Sicher gefällt er auch nicht jedem.

Der stark gewachsene Stamm wird auf jeden Fall eingekürzt. Habe 2 Linien eingezeichnet, welche eine Option sein könnten. Aber nichts überstürzen...
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Grüße Michael :)

Udofrank
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Re: Bizarre Hainbuche

Beitrag von Udofrank » 11.02.2019, 09:09

Hallo Michael,
ich finde deinen Rohling höchst interessant, meiner Meinung nach prädestiniert für
eine Besenform, der wird bestimmt Klasse, Nebari hin oder her.
Gruß, Udo .....

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abardo
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Re: Bizarre Hainbuche

Beitrag von abardo » 11.02.2019, 09:43

Hi,

schöner Sumo. Für mich wär das zweite Bild die Vorderseite, da sieht die Schnittstelle zwischen den Stämmen natürlicher aus, die Basis verteilt sich schöner (ein Nebari brauchst du bei dem "Humpen" dann m.M.n. nicht) und vorne kannst du noch ein schönes Stück Totholz realisieren.

Kappen würde ich an der unteren Linie, allerdings dann schräg "von aussen eher unten nach innen eher oben".

Einen Besen sehe ich da nicht, da die sich ja eher durch einen geraden Stamm auszeichnen.
Grüße, Frank
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Michael 86
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Re: Bizarre Hainbuche

Beitrag von Michael 86 » 11.02.2019, 10:13

Hallo Frank

Ja, ein wenig schräg wäre natürlich ne Option. Es würde mich freuen, wenn er weiter unten ebenfalls noch austreibt und mit der Zeit massive Substämme entstehen könnten. Wo da jetzt wirklich vorne ist, da leg ich mich noch nicht fest. Ich versuche ihn aus allen Perspektiven gut zu machen. Auf dem ersten Bild ist an den Wurzeln ein Hohlraum. Da könnte ich mir gut einen Felsen integriert vorstellen. Da konnten nie Wurzeln wachsen, weil der im Weg war.
Totholz ist da einiges dran. Ich bin gespannt und würde gerne 20 Jahre in die Zukunft schauen.

Ich stelle mir da auch eher nen Baum vor, der extrem Wild und mächtig ist. Einen Märchenbaum der einfach seid Anbeginn der Zeit existiert.
Grüße Michael :)

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hopplamoebel
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Re: Bizarre Hainbuche

Beitrag von hopplamoebel » 11.02.2019, 12:03

Moin Michael,

ich arbeite ja auch viel mit solchem Rohmaterial - deshalb gefällt mir Dein Baum auch ziemlich gut!

Was ich nicht verstehe, ist, warum Du dem Baum jetzt auch noch seinen einzigen verbliebenen, bzw. vom Vorgestalter stehen gelassenen Substamm nehmen willst *kopfkratz*

Das ist doch die beste Ausgangsbasis, um daraus den zukünftigen Baum aufzubauen: Eine alte, hohle Basis, aus der der Baum sich neu entwickelt...
Wenn Du den kappst, bleibt nur noch ein Busch und es wird Jahre dauern, wieder Vergleichbares aufzubauen.
Ich weiß, wovon ich spreche, denn bei meiner Ulme ist einer der 3 Substämme eingetrocknet und nun muß ich ihn über Jahre wieder neu aufbauen :(

Aber jeder kann seine Bäume natürlich nach dem eigenen Gusto gestalten!

Viel Erfolg,
der woodman
So ist nun weder der etwas, der pflanzt, noch der begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.

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Re: Bizarre Hainbuche

Beitrag von abardo » 11.02.2019, 12:15

hopplamoebel hat geschrieben:
11.02.2019, 12:03
Was ich nicht verstehe, ist, warum Du dem Baum jetzt auch noch seinen einzigen verbliebenen, bzw. vom Vorgestalter stehen gelassenen Substamm nehmen willst *kopfkratz*
M.M.n passt die Basis vom Umfang auch nicht so gut zum kaum verjüngenden Reststamm.
Da drängt sich mir der Sumo auf.
Grüße, Frank
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Michael 86
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Re: Bizarre Hainbuche

Beitrag von Michael 86 » 12.02.2019, 07:21

Hallo

Woodman, hört sich ja interessant an. Wenn du die hier dokumentiert hast, sende mir doch bitte bei Gelegenheit die Links in ner PN. Ich würde mich gerne inspirieren lassen.

Irgendwie schaffe ich es nie gute Fotos zu machen. Am Ende immer verrauscht und unscharf. Deswegen hier noch Details vom Stamm bei Tageslicht. Man sieht, dass der Stamm noch Totholzarbeit bietet, was die Wurzeln betrifft. Ich bin schon gespannt, was er so an lebenden Wurzeln zu bieten hat und wie diese ausfallen.
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Ich bin leider aktuell auch der Meinung, wie Frank. Der Fuß ist so mächtig, dass der geschlängelte Stamm der empor wächst, noch ewig nicht integriert wäre. Ich bin da auch eher in Richtung Sumo. Möglichst viele Substämme entwickeln, die sich wild verzweigen. Endhöhe wie aktuell, breite flache Krone. Ein Baum wie er schon ewig da steht und schon ganze Stämme verloren und überlebt hat. Vielleicht finde ich nen Link der meine Vorstellungen etwas zeigen kann.
Grüße Michael :)


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Re: Bizarre Hainbuche

Beitrag von Lutz Marx » 12.02.2019, 15:10

Hallo,

meine favorisierte Vorderseite von den Fotos her wäre klar Bild 4. Die beste Verjüngung und gute Bewegung. Den Stamm dann kürzen, aber nicht zu weit unten ... interessanter Baum, ein bisschen "Käflein":)...

LG, Lutz

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Re: Bizarre Hainbuche

Beitrag von chris-git@rre » 14.05.2019, 07:23

Hallo Michael,
vielleicht noch ein bisschen um Uhrzeigersinn gedreht....

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lg chris-git@rre

*Bilder sagen mehr als 1000 Worte*

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Re: Bizarre Hainbuche

Beitrag von Jürgen* » 14.05.2019, 08:51

Hy Michael, mir gefällts!
Ich habe ein Fable für Bäumchen die aus der Norm fallen.
Wenn du es so wie in Chris Virtual hinbekommst ist es sicher ein Hingucker!
Liebe Grüße, Jürgen

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Re: Bizarre Hainbuche

Beitrag von Köhler Rudolf » 14.05.2019, 08:58

Hallo Michael,

du hast dir eine bizarre Hainbuche gekauft.
Jetzt einen "normalen" Baum daraus zu machen, wird dem Character des Baumes nicht gerecht.

Das zukünftige Design muss das bizarre Aussehen dieses Baumes noch unterstreichen. Wenn du einen braven Baum möchtest, hättest du dir eine andere Ausgangspflanze kaufen müssen.

Nur mal zum Nachdenken.... :)
Grüße
Rudi K.

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Re: Bizarre Hainbuche

Beitrag von Michael 86 » 14.05.2019, 21:04

Hallo Rudi

Ich verstehe dich nicht wirklich.
Ich will daraus auch überhaupt keinen normalen Baum machen. MMn ist das auch überhaupt nicht möglich, da die toten Wurzeln, Löcher und die große Wunde im Stamm in meinem Leben nicht mehr verheilen werden. Ein normaler Baum wird so schnell also nie draus werden können.
MMn ist der Baum deshalb so besonders bizarr und nicht wegen dem Stamm.

Kannst du deine Aussage bitte konkretisieren?

Danke Chris
Grüße Michael :)

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Re: Bizarre Hainbuche

Beitrag von raga » 15.05.2019, 15:47

Hallo Michael,

ich denke Rudolf hat nur Sorge, dass du dich an Chris Vorschlag orientierst. *iik*

Gruß Ralf
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Re: Bizarre Hainbuche

Beitrag von Köhler Rudolf » 15.05.2019, 18:29

Hallo Michael,

meine Aussagen waren nur Denkanstösse.

Aber Ralf hat recht, der Vorschlag von Chris ist aus meiner Sicht nicht für dieses Ausgangsmaterial geeignet.
Es ist auch nicht für eine Besenform geeignet.
Die von Dir eingezeichneten Kappstellen des langen Stammes wären mir auch zu kurz.
Du brauchst die Höhe dieses Stammes um das Grün aufzubauen und um einen interessanten Übergang zu dem unteren Bereich zu bekommen.
Die toten Wurzeln verrotten im laufe der Zeit. Somit taugen sie nur bedingt für die Gestaltung.
Die Gestaltung ist nicht einfach. Dicker Fuß, markantes Loch, weitere Einschnitte im Stamm, schwierige Proportionen.

Aber das ist der Character des Baumes. Das muss jetzt in die Gestaltung einfließen und herausgestellt werden. Für einen klassischen Baum gibt es besseres, einfacheres Ausgangsmaterial.
Dieses Material ist nur gegen alle Regeln der Bonsaigestaltung zu entwickeln. :-D

Aber das sind nur meine Gedanken. Es ist dein Baum und deine Entscheidung.Ich bin gespannt auf deine Gestaltung.
Grüße
Rudi K.

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