da die Rückknospung bei Äpfeln und Birnen nur schwer zu erreichen ist, will ich hier einmal meine Erfahrungen und Tricks schildern.
Äpfel und Birnen sind ziemlich unwillig bei der Rückknospung. Schneidet man die Triebspitze, treiben die oft einfach nur kurz vor der Schnittkante aus der Blattachsel des letzten Blattes erneut aus und innen passiert gar nichts.
(hier geht es auch nur um Rückknospung von Äpfel und Birnen und auch nicht um komplett neu aufgebaute, sondern um lange, unverzweigte Äste)
Trick 1: Teilentlaubung mal anders
Bei Äpfel und Birnen hat sich Folgendes bewährt (dazu habe ich an Nachzuchtmaterial viel ausprobiert): wenn man maximal bei so 20% der Äste den gesamten Ast nach dem Erstaustrieb bis auf die letzten zwei Blätter und das Triebende eines jeden Zweiges dieser Äste entlaubt, treiben Äpfel und Birnen wirklich irgendwo weiter innen bei diesen Ästen mit dem Zweitaustrieb aus. Ist das passiert, wird die Triebspitze gekappt bzw. je nachdem, wie weit die innen ausgetrieben haben, auch weiter zurückgeschnitten.
Das ist aber heikel und man muss wirklich den richtigen Zeitpunkt gut erwischen und darf es auch nicht übertreiben. Äpfel und Birnen sind wirklich die einzigen Laubbäume (von denen, die ich besitze), bei denen ich überhaupt mal Blätter wegschneide und auch nur, wenn ein Ast zu verkahlen droht oder wirklich kürzer werden muss. Ansonsten halte ich von Teil- oder Komplettentlaubung oder Teilblattschnitt persönlich gar nichts.
Nochmal ganz klar. An einem so behandelten Ast müssen an jedem seiner Zweige am Ende mindestens die Endtriebe und zwei Blätter dranbleiben, um den Saftfluss aufrecht zu erhalten. Ein guter Zeitpunkt ist, wenn der Endtrieb wirklich schiebt, also sich dort gerade Blätter bilden.
Eine komplette Entlaubung eines Astes oder sogar des ganzen Baumes führt bei Äpfel und Birnen sehr wahrscheinlich zum Absterben von einem oder mehreren Ästen.
(ich werde nochmal Fotos dazu suchen oder machen, wenn es wieder "dran" ist)
Trick 2: Erhöhung und Verdrehung
Es hilft auch beim Apfel, wenn man den Ast temporär so im Bogen nach unten drahtet, dass eine vorhandene Verzweigung (oder ein Nodium ganz ohne Verzweigung) den höchsten Punkt bildet, sprich der Ansatz und das Ende sind niedriger. An so einer erhöhten Verzweigung bildet sich dann gerne oben "drauf" eine Knospe, die dann auch austreibt (genügend Sonne an der Stelle vorrausgesetzt). Was man aber an der Stelle leider nicht oft will und nach oben gehende Triebe sowieso aus gestalterischen Gründen oft wegschneidet.
Dann kommt aber der "jetzt-zeig-ichs-dir-du-Apfel"-Trick. Einen gut gedrahteten Ast kann man auch in sich verdrehen. Nehmen wir an, man hat den Hauptast und an einer mittigen Stelle geht nur an einer Seite eine Verzweigung weg, ansonsten ist in der Nähe dieses Nodiums und der vorherigen und nächsten Nodien keine sinnvolle gegenständige Verzweigung. Der Ast wird also gut gedrahtet und 45 Grad in sich verdreht, so dass der Abgang der existierenden Verzweigung nach unten zu liegen kommt. Dann wird der Ast wieder gebogen, damit Ansatz und Ende des Ast niedriger ist als die Stelle, wo "gegenüber" eine Verzweigung fehlte. Die liegt ja jetzt oben. Ziemlich sicher bekommt man dann dort eine Rückknospung. Ist die Knospe erstmal aktiv, windet man den Ast wieder korrekt 45 Grad retour und hat dann zwei Verzweigungen, eine links, eine rechts (ok, untypisch für gegenständige Bäume, man hat dann wirklich zwei Zweige an einem Nodium) und kann den Bogen auch wieder rausnehmen
Sieht zwar temporär komisch aus, aber wenn man an so einer Stelle etwas braucht, klappt das ganz gut.
(andere neue Tricks für Äpfel und Birnen bitte auch hier in den Thread)


