Umtopfen und Wurzelschnitt

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Wolfgang
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Umtopfen und Wurzelschnitt

Beitrag von Wolfgang »

Viele Neueinsteiger in unserem Hobby finden es anfangs unvorstellbar, dass sie Umtopfen bzw. die Wurzeln abschneiden (einkürzen) müssen. Doch wenn dieser Wurzelschnitt nicht durchgeführt wird, erdrücken sich die Wurzeln in der Schale gegenseitig, der Bonsai wird immer schwächer, es sterben Zweigpartien ab und der Baum geht schließlich irgendwann aus Mangel an frischem Erdsubstrat ein.

Junge Bonsai und auch viele Laubbaum-Bonsai füllen die Schale innerhalb einer Vegetationsperiode vollständig mit Wurzeln aus und sollten daher jedes Jahr umgetopft (inkl. Wurzelschnitt) werden.
Die Wurzeln älterer Bonsai, besonders von Nadelbäume, wachsen hingegen langsamer. – Diese Bäume können ohne weiteres mehrere Jahre ohne Umtopfen im selben Topf verbleiben.

Umtopfen Schritt für Schritt:
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Hohlräume um den Wurzelballen mit Erdsubstrat auffüllen (es dürfen keine Hohlräume bleiben) und angießen
Hohlräume um den Wurzelballen mit Erdsubstrat auffüllen (es dürfen keine Hohlräume bleiben) und angießen
Umtopfen-8.jpg (18.03 KiB) 31062 mal betrachtet
Schalenboden mit Erdsubstrat leicht bestreuen, Bonsai in die Schale stellen und mit Draht ordentlich fixieren, damit er einerseits nicht aus der Schale fallen kann, andererseits die neuen Wurzeln nicht durch Bewegungen abreißen
Schalenboden mit Erdsubstrat leicht bestreuen, Bonsai in die Schale stellen und mit Draht ordentlich fixieren, damit er einerseits nicht aus der Schale fallen kann, andererseits die neuen Wurzeln nicht durch Bewegungen abreißen
Umtopfen-7.jpg (20.94 KiB) 31064 mal betrachtet
U-förmig gebogenen Draht durchstecken und auf der Schalenunterseite umbiegen
U-förmig gebogenen Draht durchstecken und auf der Schalenunterseite umbiegen
Umtopfen-6.jpg (12.73 KiB) 31064 mal betrachtet
Netzchen auf den Abzugslöchern anbringen
Netzchen auf den Abzugslöchern anbringen
Umtopfen-5.jpg (19.95 KiB) 31064 mal betrachtet
passend Schale für den Baum wählen (Faustregel: die Höhe der Schale sollte etwa der Stammdicke entsprechen und die Schalenbreite sollte etwa 2/3 der Baumhöhe betragen). - Hier eine wunderbare orangefarbene Shohin-Schale von Horst Heinzlreiter:
passend Schale für den Baum wählen (Faustregel: die Höhe der Schale sollte etwa der Stammdicke entsprechen und die Schalenbreite sollte etwa 2/3 der Baumhöhe betragen). - Hier eine wunderbare orangefarbene Shohin-Schale von Horst Heinzlreiter:
Umtopfen-4.jpg (8.9 KiB) 31066 mal betrachtet
Wurzeln seitlich und auch unten (gerade die unteren Wurzeln würden den Bonsai nach und nach aus der Schale drücken!) zurückschneiden (die Wurzeln werden um 1/3 bis zur Hälfte reduziert)
Wurzeln seitlich und auch unten (gerade die unteren Wurzeln würden den Bonsai nach und nach aus der Schale drücken!) zurückschneiden (die Wurzeln werden um 1/3 bis zur Hälfte reduziert)
Umtopfen-3.jpg (17.04 KiB) 31066 mal betrachtet
seitliche Wurzeln mit einer Wurzelkralle vorsichtig auseinander harken und die Unterseite des Wurzelballens ebenso auflockern
seitliche Wurzeln mit einer Wurzelkralle vorsichtig auseinander harken und die Unterseite des Wurzelballens ebenso auflockern
Umtopfen-2.jpg (29.5 KiB) 31064 mal betrachtet
Baum aus der Schale nehmen (bei extrem bauchigen Schalen evtl. mit einem Messer den Wurzelballen aus der Schale herausschneiden)
Baum aus der Schale nehmen (bei extrem bauchigen Schalen evtl. mit einem Messer den Wurzelballen aus der Schale herausschneiden)
Umtopfen-1.jpg (12.51 KiB) 31063 mal betrachtet
Zuletzt geändert von Wolfgang am 07.01.2004, 21:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Wolfgang
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Beitrag von Wolfgang »

Wenige Wochen nach dem Umtopfen sieht Euer Bonsai dann hoffentlich so kerngesund aus, wie mein Dreispitzahorn-Shohin.

Viel Freude mit dem schönsten Hobby der Welt!
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ausgestellt bei den Bayrischen Bonsaitagen in Amberg (Herbst 2003)
ausgestellt bei den Bayrischen Bonsaitagen in Amberg (Herbst 2003)
1963_2.jpg (39.9 KiB) 31056 mal betrachtet
P5040003-3Spitz-Shohin.jpg
P5040003-3Spitz-Shohin.jpg (57.49 KiB) 31057 mal betrachtet
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mohan
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Beitrag von mohan »

Hallo,
das ist aber ein ganz schnuckeliger 3Spitz!

Vielen Dank für deine Ausführung, das kann ich z.B. gut gebrauchen.

Eine Frage noch zu Bild Nr. 2 / 3: Ist diese Wurzelmasse wirklich innerhalb einer Vegetationsperiode gewachsen? Sowas konnte ich bei mir noch nicht feststellen (ich kann aber auch nur 2,5 Bonsai- VP zählen ;-))

Gruß
monika
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Wolfgang
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Beitrag von Wolfgang »

Monika,
wenn du einmal einen Dreispitzahorn dein Eigen nennen kannst, dann weiß du, wovon ich spreche .....
So ein Ahorn treibt bei guter Pflege & Düngung (versteht sich von selbst! :wink: ) in einem Jahr so enorm viele Wurzeln, dass es ihn sogar ein paar mm aus der Schale hebt. - Ohne Spaß! - Schilly kann mir das bestimmt bestätigen, oder?
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Martin_S
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Beitrag von Martin_S »

Kann der Schilly!
Es ist Wahnsinn was die Teile an Wurzelwerk innerhalb kurzer Zeit aufbauen können. Was noch wahnsinniger ist, ist der Umstand das man sie sehr weit reduzieren kann.
Auch ich habe Bilder von einer Umtopfaktion aus dem letzten Jahr. Werde sie posten. (nur nicht jetzt... :roll: Muß erst mal meine Brötchen verdienen)
Martin
Thomas Schüssler

Beitrag von Thomas Schüssler »

Hallo zusammen,

heißt das, dass der Dreispitz nicht nur wahnsinnig viel Wurzelmasse sondern auch entsprechend Grünmasse zulegt, also extrem wuchsfreudig ist und besonders große Fortschritte mit ihm zu erzielen sind?

Gruß

Thomas aus Salzburg
Barnie
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Beitrag von Barnie »

Hallo Wolfgang,
danke für den anschaulichen Bericht,
gerade für uns "Anfänger" sehr wichtig.

Die Vorgehensweise kann man ja eigentlich auf alle
Arten übertragen, oder?
Gruss aus dem Süden Deutschlands
Barnie
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Martin_S
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Beitrag von Martin_S »

Für Tom: laß mich mal so sagen. "Nen Guten Dreispitz musse haben!"

Für Barnie: VORSICHT! Den Dreispitz kann man an der Wurzel sehr stark reduzieren, andere Sorten nicht! Versuche solche Rückschnitte (> 2/3 der gesamt Wurzelmasse) nicht bei Eiben, Fichten, Kiefern und diversen anderen.
Hier sollte man erkennbar zurückhaltender rangehen.
Gruß
Martin
Barnie
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Beitrag von Barnie »

Hallo Martin,

Danke für die rasche Antwort

Lässt sich das an irgend etwas "festmachen" ?
Also je wuchsfreudiger desto mehr kann man schneiden?
Oder sind das einfach Erfahrungwerte die man mit der Zeit
macht?
Gruss aus dem Süden Deutschlands
Barnie
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Martin_S
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Beitrag von Martin_S »

Hi Barnie,

eher zweiteres. Man lernt es mit der Zeit auf sein Gefühl zu hören und seine Zangen und Scheren dann auch so einzusetzen.

Wenn man noch etwas unsicher ist, sollte man aber eher zurückhaltender schneiden.

Gruß
Martin
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Wolfgang
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Beitrag von Wolfgang »

Gut, dass der Schilly brav antwortet, wenn der Wolfy im Außendienst ist, um noch mehr Brötchen zu verdienen, als nur im Innendienst! :wink:

@ all!
Die Wuchsfreudigkeit von Dreispitzahornen ist einfach gewaltig! - Und kräftigen Wurzelschnitt verträgt er auch; nicht unbedingt zum gleich Nachmachen, aber ich verrate Euch was: im Frühjahr 2003 schnitt ich bei meinen 3Spitzern z.T. 3/4 bis 4/5 der Wurzeln weg und es war kein Problem. - Aber wie Schilly bereits anmerkte: seid als Neueinsteiger lieber vorsichtig mit einem zu radikalen Wurzelschnitt!!

Barnie,
ACHTUNG, auf alle Arten kannst du das nicht so einfach übertragen!
Du musst einfach viel Fingerspitzengefühl für Bonsai entwickeln und wirst jedes Jahr wieder was Neues dazu lernen (auch Tiefschläge einzustecken; leider gehört auch das dazu :( ). - Hab aber trotzdem viel Freude mit dem schönsten Hobby der Welt! :D
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Martin_S
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Beitrag von Martin_S »

:Gut, dass der Schilly brav antwortet, wenn der Wolfy im Außendienst ist, ...

Gell? So isser, der Schilly :D [/quote]
FlorianZ
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Beitrag von FlorianZ »

Danke für deinen Bericht.

Aber seit dem einer meiner Schönsten Bäume wegen falschem (???) wurzelzuschneiden eingegangen ist habe ich voll die panik davor.
:roll: :D
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Martin_S
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Hier sind noch ein paar Bilder

Beitrag von Martin_S »

Sagte ja schon, daß ich Wolfys "Thesen" stütze.
Anbei ein paar Bildchen aus März 03. Da stand der Baum genau 1 Jahr in seiner damaligen Schale.

Ich stelle die Bäume gerne zum umtopfen in eine Schubkarre (Scheibtruhe, oder wie sagt ihr "Südländer" dazu? :lol: ) auf einen Eimer. So kann ich die Wurzeln gut aufkämmen und dann auch wie einen "Topfschnitt" zurückschneiden. Stärkere Wurzeln werden gesondert nachgearbeitet und die die unmittelbar unter dem Stamm hervorwachsen rigeros zurückgeschnitte.
Ey!
Bevor ich jetzt hier wieder in so'ne Laberei verfalle. Schaut selbst.
Martin
Barnie
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Beitrag von Barnie »

Hallo Martin,
danke nochmals für den tollen Bericht, übrigens genialer Baum wie ich
finde.

Ach noch was, wir (also in Schwaben) sagen ebenfalls "Schubkarre" dazu.

Das mit dem Vitamin B1 war ja schon öfters Thema, gibst du es
grundsätzlich nach einer Umtopfaktion hinzu?
Gruss aus dem Süden Deutschlands
Barnie
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