es soll sogar leute geben , die einen baum einfach "schön" finden ohne vorher genau definiert zu haben was "schön" ist
Entwicklung einer mächtigen Lärche
durch kunst-theoretische ausdrücke kann man jeden bonsai schön / hässlich reden und / oder ihm eine künstlerische tiefe zusprechen , ob das jemandem allerdings irgendwas nützt sei mal dahingestellt.......
es soll sogar leute geben , die einen baum einfach "schön" finden ohne vorher genau definiert zu haben was "schön" ist

es soll sogar leute geben , die einen baum einfach "schön" finden ohne vorher genau definiert zu haben was "schön" ist
Zunächst zu diesem (für mich) aufschlussreichen Beitrag nur eine Frage ... Welche "subtilen Beleidigungen" meinst Du hier in diesem FallWalter Pall hat geschrieben:Subtile Beleidigungen bin ich inzwsichen reichlich gewohnt.
Bis bald!
K.
"Was machen Sie da?" wurde Herr K. gefragt. Herr K. antwortete: "Ich gestalte Bonsai."
K.
"Was machen Sie da?" wurde Herr K. gefragt. Herr K. antwortete: "Ich gestalte Bonsai."
- Walter Pall
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Ach Delamitri,
man muss ja nicht alles breittreten. Sprechen wir lieber über Bäume und wie man sie sehen kann.
Ich meine wirklich, dass es hilfreich ist, wenn man sich die Persönlichkeit eines Baumes vorstellt um ihn einschätzen zu können. Als Gestalter ganz bestimmt, als Betrachter wohl auch.
Damit meine ich ein menschliche Persönlichkeit, die der Baum in Wirklichkeit natürlich überhaupt nicht hat. Aber der Menschn ist nun mal ein Tier, das sich wie alle Tiere in allem widerspiegeln will. Der Mensch versteht instinktiv die menschliche Körpersprache. Der Künstler weiss das und bringt ganz bewust menschliche Körpersprache in die Gestaltung ein. Der Betrachter fühlt etwas, weiss aber in der Regel nicht warum; ist auch besser so.
Geht endlos weiter. Ein fürwahr weitesFeld.
man muss ja nicht alles breittreten. Sprechen wir lieber über Bäume und wie man sie sehen kann.
Ich meine wirklich, dass es hilfreich ist, wenn man sich die Persönlichkeit eines Baumes vorstellt um ihn einschätzen zu können. Als Gestalter ganz bestimmt, als Betrachter wohl auch.
Damit meine ich ein menschliche Persönlichkeit, die der Baum in Wirklichkeit natürlich überhaupt nicht hat. Aber der Menschn ist nun mal ein Tier, das sich wie alle Tiere in allem widerspiegeln will. Der Mensch versteht instinktiv die menschliche Körpersprache. Der Künstler weiss das und bringt ganz bewust menschliche Körpersprache in die Gestaltung ein. Der Betrachter fühlt etwas, weiss aber in der Regel nicht warum; ist auch besser so.
Geht endlos weiter. Ein fürwahr weitesFeld.
Es gehört zur Definition von Kunst, dass da ein Künstler mit einer Intention dahinter steckt.Delamitri hat geschrieben:"Kunst" ohne die Intention des "Künstlers" zu "beachten" ... ist das dann noch KunstGerade die Intention dürfte ein Kunstwerk, sofern es denn eines ist, zur Kunst erheben ... oder? ...
Es gehört zur Definition einer Kuh, dass sie vier Beine hat. Ich kann nun eine Kuh betrachten und mich dabei schlicht nicht für die Beine interessieren. Das heißt aber nicht, dass ich ihr den Status als Kuh abspreche.
Schenkt man Dir mal Baumarktware,
Topf sie um, und sie hält Jahre! (aus Holland)
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Andreas Ludwig
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Raphneck
du bleibst im Modell «Sprache» stecken. Das bildet Realität aber bloss ab und rennt ihr hinterher. Wittgenstein und so. Da so ein Minibaum vor dir steht, ist die Person des Gestalters implizit da. Sonst stünde da kein Baum. Logisch, oder? Also nicht der Erwähnung wert. Nur wenn ein Künstler nichts macht, ist er nicht da (aber auch bloss, solange keiner weiss, dass er nichts macht).
Die Frage war, ob eine Lärche aufrecht stehendes Totholz und abwärts gebogene Äste haben kann. Wen man sich mal davon löst, dass ein Baum eine stringente Geschichte haben muss, geht das schon. Skulpturen (und das hier ist eine, es ist «herausgeschnittenes», also Skulptur) dürfen sowas.
Und überhaupt – was glaubt Ihr, was Ihr alles an Bildlichem glaubt, das jeder Realität spottet. Solange wir im Kino mitfiebern, dürfen Bonsaigestalter jedenfalls auch Geschichten erfinden. Finde ich.
Walter: Ich mag die Lärchen grad bevor die Kospen ganz aufgehen. Wenn so ein bisschen Grün durchschimmert. Dasselbe bei Ahorn, Hainbuche etc. Dann sehe ich das stattfindende Leben (im Unterschied zum Winterbild), das integraler Teil einer Baumgestaltung ist. Holzschnitzler wollen wir ja nicht sein. Möglicher Kompromiss?
du bleibst im Modell «Sprache» stecken. Das bildet Realität aber bloss ab und rennt ihr hinterher. Wittgenstein und so. Da so ein Minibaum vor dir steht, ist die Person des Gestalters implizit da. Sonst stünde da kein Baum. Logisch, oder? Also nicht der Erwähnung wert. Nur wenn ein Künstler nichts macht, ist er nicht da (aber auch bloss, solange keiner weiss, dass er nichts macht).
Die Frage war, ob eine Lärche aufrecht stehendes Totholz und abwärts gebogene Äste haben kann. Wen man sich mal davon löst, dass ein Baum eine stringente Geschichte haben muss, geht das schon. Skulpturen (und das hier ist eine, es ist «herausgeschnittenes», also Skulptur) dürfen sowas.
Und überhaupt – was glaubt Ihr, was Ihr alles an Bildlichem glaubt, das jeder Realität spottet. Solange wir im Kino mitfiebern, dürfen Bonsaigestalter jedenfalls auch Geschichten erfinden. Finde ich.
Walter: Ich mag die Lärchen grad bevor die Kospen ganz aufgehen. Wenn so ein bisschen Grün durchschimmert. Dasselbe bei Ahorn, Hainbuche etc. Dann sehe ich das stattfindende Leben (im Unterschied zum Winterbild), das integraler Teil einer Baumgestaltung ist. Holzschnitzler wollen wir ja nicht sein. Möglicher Kompromiss?
- Walter Pall
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Dieter,zopf hat geschrieben:Eine Frage hätte ich zum naturalistischen Stil.
In der Konsequenz, wäre doch die Gestaltung durch Schnitt
vorzuziehen ?
mfG Dieter
das ist ein sehr häufiger gewaltiger Irrtum. Hier wird Methode mit Wirkung verwechselt. Es ist durchaus möglich und ich mache das auch ständig, mit allen vorstellbaren künstlichen Tricks so lange an einem Baum zu arbeiten, bis er so aussieht, als hätte die Natur ihn so gemacht; als hätte nie ein Mensch seine Hand im Spiel gehabt.
Das ander Extrem: eine Hecke wird ausschliesslich durch Schnitt gestaltet. Gibt es etwas unnatürlicheres als eine Hecke?
- Karl T.
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Walter, also ich habe mir diese Lärche einige Zeit betrachtet und auf mich wirkt dieser sehr mächtige Jin auf der rechten Seite auch irgendwie störend, zu dominant.
Jetzt weiß ich aber dass du genau dieses Schockerlebnis beim Betrachter auslösen möchtest. Aber wenn diese Lärche wirklich so mächtig ist wie du sagst und dieser dominante Jin etwas von seiner Monstrosität verliert aber dennoch bleibt, so denke ich wird diese Lärche trotzdem einen bleibenden Eindruck bei einem Betrachter hinterlassen und dieser entschärfte Jin wird durch seine wagrechten Verlauf noch immer ein wenig den abwärts Linien der Ästen entgegenstehen und auch auffallen.
Aber nicht mit dieser Schockwirkung sondern eben gemäßigter.
Daher wird diese Lärche etwas gefälliger dem Betrachter gegenüber und nicht gar so protzig, etwas freundlicher.
Würde mir besser gefallen und nach meiner Sicht der Lärche besser stehen, aber wahrscheinlich willst du das ja gar nicht, gell.

Jetzt weiß ich aber dass du genau dieses Schockerlebnis beim Betrachter auslösen möchtest. Aber wenn diese Lärche wirklich so mächtig ist wie du sagst und dieser dominante Jin etwas von seiner Monstrosität verliert aber dennoch bleibt, so denke ich wird diese Lärche trotzdem einen bleibenden Eindruck bei einem Betrachter hinterlassen und dieser entschärfte Jin wird durch seine wagrechten Verlauf noch immer ein wenig den abwärts Linien der Ästen entgegenstehen und auch auffallen.
Aber nicht mit dieser Schockwirkung sondern eben gemäßigter.
Würde mir besser gefallen und nach meiner Sicht der Lärche besser stehen, aber wahrscheinlich willst du das ja gar nicht, gell.
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Herzliche Grüße aus Wien!
Ihr seit gerne eingeladen in meine http://www.bonsaiwerkstatt.at/
Karl Thier
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- Wolfgang
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Walter,
EINE Frage - ganz einfach aus dem Bauch heraus:
Gefallen DIR die in der Krone eher sparrig wirkenden Jins in Verbindung mit den würdig herab ragenden (hängenden) Ästen
PS: Denk jetzt nicht an Kunst, sondern antworte ganz spontan aus dem Bauch heraus.
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Grüße! Wolfgang
http://www.yamadori-bonsai.info
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Was heisst 'gefallen'. Es muss gar nicht gefallen. Es beeindruckt mich.Wolfgang hat geschrieben:Walter,
EINE Frage - ganz einfach aus dem Bauch heraus:
Gefallen DIR die in der Krone eher sparrig wirkenden Jins in Verbindung mit den würdig herab ragenden (hängenden) Ästen![]()
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Hallo,
und im Nadelkleid sieht man den mächtigen Jin nicht mehr.
Schade!
Da Walter Pall seine Bäume auf Winteransicht gestaltet, glaube ich zu ahnen, daß das nicht unbedingt beabsichtigt ist.
Denn was wäre dieser Baum ohne den Jin?
Einer von tausenden in dieser Art. Ein eben schöner Baum, aber keiner der
im Gedächtnis haften bleibt, über den geredet und gestritten wird.
Gerade das ist es doch der größte Kick für einen Gestalter, wenn Leute vor seinem Baum verharren sich Gedanken machen, darüber reden und evtl. auch streiten.
Hätten wir nur das letzte Bild gesehen, hätte der Beitrag sicher nur mit den üblichen "Prima", "Klasse" und "Toll, Walter!" geendet.
Also mir gefällt der und ohne Nadeln noch besser als mit, eben ein echter "Pall".
und im Nadelkleid sieht man den mächtigen Jin nicht mehr.
Schade!
Da Walter Pall seine Bäume auf Winteransicht gestaltet, glaube ich zu ahnen, daß das nicht unbedingt beabsichtigt ist.
Denn was wäre dieser Baum ohne den Jin?
Einer von tausenden in dieser Art. Ein eben schöner Baum, aber keiner der
im Gedächtnis haften bleibt, über den geredet und gestritten wird.
Gerade das ist es doch der größte Kick für einen Gestalter, wenn Leute vor seinem Baum verharren sich Gedanken machen, darüber reden und evtl. auch streiten.
Hätten wir nur das letzte Bild gesehen, hätte der Beitrag sicher nur mit den üblichen "Prima", "Klasse" und "Toll, Walter!" geendet.
Also mir gefällt der und ohne Nadeln noch besser als mit, eben ein echter "Pall".
- der1
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Hallihallo,
ich habe den Thread schon vor einiger Zeit angelesen. Damals konnte ich mit diesem Baum nicht allzuviel anfangen, weil er mir zu "durcheinander" wirkte. Im Sinne "Pallscher Naturalistischer Bonsaigestaltung" scheint mir das aber durchaus so gewollt zu sein.
Jetzt, im belaubten Zustand, wirkt der Baum auf mich aufgeräumter, dadurch allerdings auch zwangsweise braver. Mir gefällts, gerade auch, weil der rechte Dicke Jin nicht mehr ganz so massiv in Erscheinung tritt. Dafür allerdings stechen seine Spitzen aus dem Laub hervor, wodurch sie in meinen Augen sogar ein wenig betont werden.
Der Jin an der Spitze verliert durch die Belaubung meiner Meinung nach nicht an Bedeutung. Allerdings scheint mir dieser ein wenig reduziert zu sein, oder bin ich einer optischen Täuschung, bedingt durch die leichte Drehung des Baumes, aufgesessen (s. Bild)?
Liebe Grüße
¹
ich habe den Thread schon vor einiger Zeit angelesen. Damals konnte ich mit diesem Baum nicht allzuviel anfangen, weil er mir zu "durcheinander" wirkte. Im Sinne "Pallscher Naturalistischer Bonsaigestaltung" scheint mir das aber durchaus so gewollt zu sein.
Jetzt, im belaubten Zustand, wirkt der Baum auf mich aufgeräumter, dadurch allerdings auch zwangsweise braver. Mir gefällts, gerade auch, weil der rechte Dicke Jin nicht mehr ganz so massiv in Erscheinung tritt. Dafür allerdings stechen seine Spitzen aus dem Laub hervor, wodurch sie in meinen Augen sogar ein wenig betont werden.
Der Jin an der Spitze verliert durch die Belaubung meiner Meinung nach nicht an Bedeutung. Allerdings scheint mir dieser ein wenig reduziert zu sein, oder bin ich einer optischen Täuschung, bedingt durch die leichte Drehung des Baumes, aufgesessen (s. Bild)?
Liebe Grüße
¹
- Dateianhänge
-
- Ist was mit dem Jin passiert?
- walterlarixjinfrage.jpg (55.2 KiB) 1868 mal betrachtet
Und wenn wir jetz so zusammen liegen / Ich wollt es sagen, aber hab mich nie getraut
Immer öfter, wenn wir uns berühren / Spür ich den leeren Raum zwischen unsrer Haut.
Lichter - Leerer Raum (Video und mp3)
Immer öfter, wenn wir uns berühren / Spür ich den leeren Raum zwischen unsrer Haut.
Lichter - Leerer Raum (Video und mp3)


