Dünger und Umwelt

Alles andere was zu Bonsai passt.
Antworten
werrib
Beiträge: 30
Registriert: 07.12.2011, 09:06

Dünger und Umwelt

Beitrag von werrib »

Diese Diskusion wurde hier abgetrennt


Die Natur düngt seit Milliarden Jahren organisch. Wieso soll man seine Bonsai anorganisch düngen? Weil es funktioneirt? Sollte man seine Bäume nicht ökologisch sinnvoll düngen? Unverbrauchter anorganischer Dünger verursacht Eutrophierung in Flüssen und Seen, verändert den ph-Wert, stört das Bodenleben und gelangt letztendlich ins Grundwasser. Mir ist schon klar, dass ein Bonsaigarten nicht solchen Schaden wie ein Großbauer verursacht, der jährlich Tonnen mineralischen Dünger aufbringt. Trotzdem geht es bei solchen Fragen ums Prinzip. Was kann jeder einzelne von uns tun, um unseren Kindern einen "sauberen" Planeten zu hinterlassen?

Walter, dass manieralischer Dünger funktioniert ist bewiesen. Bleibt die Frage nach der Notwendigkeit und ob organischer Dünger nicht die bessere Lösung ist?
20 Mio Klimaflüchtlinge im Jahr 2010, Fukushima, Artensterben,.... Die Ironie an der Sache: Der Palnet wird von der westlichen Welt zerstört, treffen tut er aber die ärmsten Länder dieser Welt zuerst.

Gruß Werner
Benutzeravatar
Anja M.
Freundeskreis
Beiträge: 5825
Registriert: 05.01.2004, 17:52
Wohnort: Hamburg NW

Re: Neue Version von "Substrat, Wässern, Düngen"

Beitrag von Anja M. »

werrib hat geschrieben:Die Natur düngt seit Milliarden Jahren organisch. Wieso soll man seine Bonsai anorganisch düngen? Weil es funktioneirt? Sollte man seine Bäume nicht ökologisch sinnvoll düngen? Unverbrauchter anorganischer Dünger verursacht Eutrophierung in Flüssen und Seen, verändert den ph-Wert, stört das Bodenleben und gelangt letztendlich ins Grundwasser. Mir ist schon klar, dass ein Bonsaigarten nicht solchen Schaden wie ein Großbauer verursacht, der jährlich Tonnen mineralischen Dünger aufbringt. Trotzdem geht es bei solchen Fragen ums Prinzip. Was kann jeder einzelne von uns tun, um unseren Kindern einen "sauberen" Planeten zu hinterlassen?

Walter, dass manieralischer Dünger funktioniert ist bewiesen. Bleibt die Frage nach der Notwendigkeit und ob organischer Dünger nicht die bessere Lösung ist?
Für mich ist das jetzt eher eine Frage der Hardware. Meine Bänke haben unter der Stellfläche eine Folie, damit darunter Dinge trocken gelagert werden können und gleichzeitig läßt sich das Wasser auffangen, damit es wenig gartenbegeisterten Menschen nicht vor die Füße läuft. Der 1. Ansatz eines geschloßenen Systems eben. Das ließe sich bestimmt noch weiter denken. Zumal es nicht eine Frage von organisch oder anorganisch ist, sondern von der Menge, wie ich denke. Den Bauern wird nicht nur der Kunstdünger vorgeworfen, sondern auch die Gülle, und wenn die nicht organisch ist ...
73 Anja
Benutzeravatar
Andreas R.
BFF-Autor
Beiträge: 1172
Registriert: 16.10.2011, 17:56
Wohnort: bei München

Re: Neue Version von "Substrat, Wässern, Düngen"

Beitrag von Andreas R. »

Der Originaltext dieses Beitrages ist leider bei den Umbauarbeiten während der Ausgliederung des Themas verloren gegangen. Ich werde versuchen ihn aus meiner Erinnerung nochmal zu rekonstruieren. Meine Aussagen waren in etwa sinngemäß folgende:

- im Prinzip hat Werner Recht und es ist wichtig sich über die Konsequenzen des eigenen Handelns bewusst zu sein
- es macht in diesem Zusammenhang keinen Unterschied ob mineralisch oder organisch gedüngt wird
- auch organischer Dünger führt zu Eutrophierung
- selbst bei großer Bonsaisammlung steht die Düngermenge in keinem Verhältnis zu dem, was man z.B. täglich über die Toilette ins Abwasser gibt
- ökologisch sinnvoll wäre ein geschlossener Kreislauf (Rückgewinnung des Sickerwassers mit dem Dünger wie in manchen modernen Gärtnereien, Verarbeitung des Schnittgutes zu Dünger)
- Dünger von den Bonsai gelangt z.B. auf die Wiese und wird dort vom Gras zur Bildung von Grünmasse verwendet, die Nährstoffe werden dann also beim Rasenmähen wieder entfernt

Und vielleicht noch ein paar andere Sachen. Das Wichtigste war da aber jetzt glaube ich dabei.
Zuletzt geändert von Andreas R. am 18.01.2012, 14:49, insgesamt 1-mal geändert.
werrib
Beiträge: 30
Registriert: 07.12.2011, 09:06

Re: Neue Version von "Substrat, Wässern, Düngen"

Beitrag von werrib »

Liebe Anja M.

Also 1. ist Gülle immer organisch. Ich glaube du verwechselt hier "biologisch" und "organisch". Organisch bedeutet, dass man eine C-H-Verbindung hat. Man scheidet zwar auch anorganische Substanzen wie Salz aus, aber Gülle besteht normalerweise aus organischem Material und Wasser. Anorganischer Dünger ist ein Salz, dass durch Bergbau gewonnen wird. Das ist nichts natürliches, sondern anorganischer Dünger wird vom Menschen im großen Stil abgebaut. Da steht eine große Industrie dahinter. Damit wird viel Geld gemacht.
Zweitens kann man einem Bauern nicht vorwerfen, dass er auf seinen Wiesen und Feldern Gülle ausbringt. Was soll er sonst damit machen? Wegzaubern? Trinken?


Lieber Andy

Ob anorgansich oder organisch gedüngt wird ist aus ökologischer Sicht nicht völlig egal. Wie bitte kommst du auf diese Aussage? Wie ich aus deinem Text herauslese kennst du dich auf dem Gebiet der Chemie aus. Dann solltest du auch wissen, dass Salze wasserlöslich sind und so transportiert werden. Während organischer Dünger noch von Mikroorganismes zersetzt werden kann.
Ich gebe dir zwar Recht, dass es in einem Bonsaigarten um andere Dimensoinen geht, als in der Landwirtschaft. Trotzdem geht es hier auch ums Prinzip. Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist.
Bonsai bedeutet für mich auch Liebe zur Natur. Ich hab vor 5 Jahren aufgehört anorganisch zu düngen und kaufe meinen gesamten Dünger von regionalen Betrieben.

Gruß Werner
Benutzeravatar
zopf
Mentor
Beiträge: 7070
Registriert: 19.05.2005, 14:18
Wohnort: Bergisches Land

Re: Neue Version von "Substrat, Wässern, Düngen"

Beitrag von zopf »

Hallo Werner
Obwohl ich Deine Gedanken verstehe und Deinen Standpunkt respektiere,
möchte ich Dich bitten ein eigenes Thema in der Plauderecke zu eröffnen.
In den Fachbereichen des Forums sollte es eigentlich nur um Fachinformationen
und weniger um ökologische oder moralische Aspekte gehen.
Vielen Dank für Dein Verständnis
Dieter
grüsse an die bewohner von melmac
Benutzeravatar
Andreas R.
BFF-Autor
Beiträge: 1172
Registriert: 16.10.2011, 17:56
Wohnort: bei München

Re: Dünger und Umwelt

Beitrag von Andreas R. »

werrib hat geschrieben:Ob anorgansich oder organisch gedüngt wird ist aus ökologischer Sicht nicht völlig egal. Wie bitte kommst du auf diese Aussage?
Wir müssen die Konsequenzen betrachten:
Bei beiden Formen der Düngung werden Nährstoffe in ein Ökosystem eingebracht die ohne unseren Eingriff nicht da wären.
Der meiste organische Dünger hat zunächst einmal auch wasserlösliche Anteile. Wenn der Rest durch Mikroorganismen aufgeschlossen wird, dann wird noch mehr davon wasserlöslich bzw. ist genauso für Pflanzen etc. verfügbar bis irgendwann alles davon weg ist.
Mineralischer Dünger ist zwar wasserlöslich und sofort vollständig verfügbar, wird aber (wenn es sich nicht um wirklich riesige Mengen handelt) sehr schnell von Pflanzen und Mikroorganismen aufgenommen. Somit sind die Nährstoffe auch in organischer Form gebunden.
Welches Ökosystem beeinflussen wir überhaupt? (Abgesehen von dem in der Bonsaischale)
Bei den meisten Bonsaigärtnern werden die Bäume so stehen, dass überschüssiges Gießwasser und Sickerwasser aus den Schalen direkt oder indirekt in eine Wiese gelangt. Dort werden alle Nährstoffe vom Gras, anderen Pflanzen und was da sonst noch lebt genutzt und gelangen nicht ins Grundwasser. Schlecht wäre es wenn das Gieß/Sickerwasser sofort in ein stehendes Gewässer gelangt, dort würde es dann Eutrophierung verursachen. Mir ist aber jetzt kein Beispiel eines Gartens bekannt wo das so ist.
Wenn du bei rein organischer Düngung besser schlafen kannst verstehe ich das trotzdem.
werrib hat geschrieben:Da steht eine große Industrie dahinter. Damit wird viel Geld gemacht.
Das ist bei manchem organischen Dünger auch so. Ich konnte bis jetzt nicht herausfinden was Biogold eigentlich ist, aber der Preis wäre wohl nur gerechtfertigt wenn das glänzende Zeug da drin wirklich Gold ist.
Guano wird auch im großen Stil abgebaut, ist nur an regenarmen Küsten wie z.B. Südamerika möglich. Man stelle sich allein den langen Transportweg vor!
werrib hat geschrieben:Zweitens kann man einem Bauern nicht vorwerfen, dass er auf seinen Wiesen und Feldern Gülle ausbringt. Was soll er sonst damit machen?
Hier ist das Problem, dass immer mehr Mist und Gülle auf immer weniger Fläche ausgebracht wird. Die Wiesen (wir sprechen bei solchen intensiv Landwirtschaftlich genutzten Flächen nicht mehr von Wiese sondern von Grasacker) werden bis zu acht Mal pro Jahr gemäht, früher war dreimal üblich, ökologisch ideal wäre zweimal. Um das Nachwachsen zu beschleunigen muss extrem gedüngt werden, mit Gülle und Mist eben. Auch ohne zusätzlichen Dünger ist das kein geschlossener Kreislauf, weil den Kühen zusätzlich Kraftfutter gefüttert wird und auf den Wiesen nachgesät werden muss, unter anderem Klee. Der kann Luftstickstoff fixieren, so haben wir einen zusätzlichen Stickstoffeintrag. Wenn man sich dann so eine "Wiese" anschaut kann man die Arten die da vorkommen an einer Hand abzählen: Löwenzahn, Rotklee, 2-3 Gräser, Wiesenhahnenfuss.
Ein Ökosystem kann bewertet werden indam man sich anschaut welche Arten vorkommen und wie groß die Artenvielfalt ist. Auf einer naturbelassenen Wiese mit zwei Schnitten pro Jahr können über 300 Arten vorkommen.
Ich habe bei mir im Garten keine Veränderungen in der Artenvielfalt und -zusammensetzung festgestellt seit ich Bonsai mache.

Ich selbst bin auch ein sehr naturverbundener Mensch und versuche möglichst umweltbewusst zu leben, sehe aber in mineralischer Düngung bei meinen Bonsai kein Problem.

Viele Grüße,
Andy
Antworten