Miniaturlandschaften: naturalistisch und abstrakt
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gunter
Miniaturlandschaften: naturalistisch und abstrakt
Liebe Forumsleser,
dies ist ein Beitrag für die Liebhaber von Miniaturlandschaften und für Leute, die sich auch für die Geschichte ihres Hobbys interessieren. Die andern müssen ja nicht weiterlesen.
Heute spielen Landschaften in der Schale im Vergleich zu Einzelbäumen in Japan nur eine untergeordnete Rolle. Das scheint früher anders gewesen zu sein. In dem ersten Wörterbuch der japanischen Sprache, das in Europa erschien, 1604 von einem Jesuiten verfaßt, der über 30 Jahre in Japan gelebt hatte, kommt der Begriff “Bonsan” ( Berg in der Schale ) vor. So bezeichnete man damals die Landschaften, aber anscheinend auch Einzelbäume. Der Begriff “Bonsai” wurde erst 200 Jahre später üblich. Bonsan wird in dem Wörterbuch erklärt als “Miniaturlandschaft aus einem Stein mit grünem Moos und kleinen Bäumchen”. Das war es also, was diesem Mann in Japan aufgefallen war, und man wird annehmen können, dass solche Landschaften damals gegenüber den Einzelbäumen dominierten, genau wie in China.
Johannes hat neulich auf eine Internetseite mit Farbholzschnitten japanischer Miniaturlandschaften aus der Mitte des 19. Jahrhunderts hingewiesen. Sie sehen ziemlich naturalistisch aus, was durchaus zu der schon europäisch beeinflußten Holzschnittkunst paßt. Die ältere japanische Landschaftsmalerei war demgegenüber eher abstrakt und ich habe mal nach einem Beispiel für eine Miniaturlandschaft aus dieser Tradition gesucht. Anbei die Gegenüberstellung :
1. Yoshishige : “Die Station Kanagawa am Tokaido”; Farbholzschnitt, 12x17cm, entstanden 1848
Der Tokaido, die Straße von Tokyo nach Kyoto, war eine beliebte Reiseroute am Anfang des 19. Jahrhunderts, nachdem Vergnügungsreisen in Japan nicht mehr bestraft wurden. Die 53 Rasthäuser an der Straße waren begehrte Holzschnittmotive, als Souvenir für die Reisenden. Solche Farbholzschnitte mit schönen japanischen Landschaften sind gut vergleichbar mit den Stahlstichen mit Rheinansichten etc., die beim europäischen Bürgertum jener Zeit beliebt waren.
Das Bild macht einen realistischen Eindruck, aber das täuscht. Es ist ziemlich stark idealisiert. Die schmale Schlucht, in der sich die Häuser an den Berg schmiegen, ist in der Natur ein viel breiteres Tal. Der Künstler hat die Land schaft dramatisiert, wie das ja bei den Rheinansichten auch gern gemacht wurde.
Diese Dramatisierung kann man durchaus als eine bonsaigerechte Umsetzung sehen, Es geht dem Künstler darum, beim Betrachter die Stimmung zu erzeugen, die er vielleicht auf der Reise an diesem Ort hatte. Dazu ist die realistische Abbildung weniger geeignet, als eine Darstellung, die die charakteristischen Elemente dieser Landschaft stärker hervorhebt. Und da dies in der fernöstlichen Kunst ein gängiges Mittel ist, konnte Yoshishige es extensiver einsetzen als seine europäischen Kollegen, ohne befürchten zu müssen, man werde die Darstellung übertrieben oder unnatürlich finden.
2. Hakuin Ekaku : “Gehen die Bonsan nach dem Ishiyama-Tempel zum Beten?” ; Tusche auf Papier, 40x52cm, entstanden um1750
Hakuin war ein berühmter Zen-Priester. Seine Kunst ist, wie die Zen-Kunst insgesamt nicht zum Schmuck gedacht und will nichts abbilden. Sie dient vielmehr dem Verständnis des ins Bild geschriebenen Verses. Das Betrachten des Bildes soll das Nachdenken über den Vers fördern, der oft eine auf den ersten Blick paradoxe Aussage macht, also ein Nachdenken erfordert.
Hier handelt es sich um einen ironischen Vers, der mit einem Wortspiel arbeitet. Die Schriftzeichen für Miniaturlandschaft und für Priester (“Bonzen”) werden gleich gesprochen: Bonsan. Der Sinn des Verses ist dann wohl: “Gehen die Mönche vom Hiei-Berg tatsächlich nach Ishiyama zum Beten ( oder vielleicht doch eher in ein benachbartes Bordell )?”
Aber auf diesen spezifischen Sinn kommt es gar nicht so sehr an. Wichtiger ist, dass der Betrachter in Bild und Text seinen eigenen Sinn entdeckt. Der religiöse Japaner assoziierte bei einem so dargestellten Berg den Horai-Berg, also eine Paradieslandschaft. Der Vers kann dann auch die Frage hervorrufen, warum Mönche, die in einer so paradiesischen Landschaft leben, überhaupt zum Beten in die Stadt gehen? Sollte nicht derjenige, der diesem Berg nahe ist, auch der Erleuchtung nahe sein?
Die beiden Bilder stammen aus verschiedenen Zeiten, repräsentieren unterschiedliche künstlerische Traditionen und wenden sich an ein unterschiedliches Publikum. Vor allem aber zeigen sie stilistisch sehr unterschiedliche Miniaturlandschaften, eine eher naturalistisch gestaltete, mit Häusern, der Straßentreppe, Menschen und realistischen Bäumen und eine recht abstrakte, mit drei Steinen in einer Schale mit Sand und Andeutungen von Vegetation, die Wald darstellen sollen. In beide kann man sich hineinversetzen. Dabei prägt die erste den Assoziationshorizont stärker vor, während die zweite mehr an die Phantasie appelliert und ihr auch mehr Freiheit läßt.
Ich möchte diese Unterschiede nicht als Qualitätsmerkmale sehen, obwohl es in der Ausführung der Bilder sicher einen Qualitätsunterschied gibt. Die naturalistische Landschaft und die Zen-Landschaft haben unterschiedliche Intentionen und sie verwenden dazu sinnvollerweise unterschiedliche Mittel. In beiden Fällen geht es darum, den Betrachter gefangen zu nehmen und eine Stimmung zu erzeugen, aber die intendierten Stimmungen sind unterschiedlich: das Staunen angesichts der Schönheit der Landschaft oder die Sehnsucht nach dem Paradies.
Muso Kokushi, Zen-Priester und Gartengestalter unterscheidet (1345) drei Arten von Gartenliebhabern ( und die Parallele zu Bonsailiebhabern liegt auf der Hand ):
1. Diejenigen, die ihren Garten schmücken, weil sie bewundert werden wollen, die merkwürdige Bäume und seltene Steine sammeln. Auf sie schaut er herab, was mir ein wenig ungerecht zu sein scheint. Wer möchte nicht mal bewundert oder gelobt werden? Und wenn es diese Leute nicht gäbe, gäbe es auch keine Bonsaiausstellungen.
2. Diejenigen, die die Natur ganz naiv lieben, insbesondere die schöne Landschaft. Sie rezitieren Gedichte, spielen an Quellen Flöte, sie sind für Muso “die Liebenswerten dieser Erde”. Bei Bonsai könnte ich mir denken, dass sie einer naturalistischen Gestaltung zuneigen. Ihnen hätten die Ansichten vom Tokaido oder vom Rhein wohl gefallen. Und ob sie dann kleine Figürchen in die Miniaturlandschaft stellen, ist bloß eine Frage des Geschmacks.
3. Diejenigen, die in ihrem Garten mehr sehen als die äußere Erscheinung, mehr als nur die Ästhetik. Natürlich denkt Muso dabei an die Sehnsucht nach dem Paradies, das Einssein des Ichs mit Bergen und Bäumen und andere buddhistische Motive. Die Miniaturlandschaft von Hakuin wäre wohl nach Musos Geschmack gewesen. Sicher entsprechen Zen und Zen-Kunst nicht unseren geistesgeschichtlichen Voraussetzungen. Aber vielleicht sollte man mal fragen, was denn Bonsai über das Ästhetische hinaus für uns noch bedeuten könnte? Es müssen ja nicht gleich religiöse Erlebnisse sein.
So, jetzt ist es lang genug und es grüßt Euch Gunter Lind
dies ist ein Beitrag für die Liebhaber von Miniaturlandschaften und für Leute, die sich auch für die Geschichte ihres Hobbys interessieren. Die andern müssen ja nicht weiterlesen.
Heute spielen Landschaften in der Schale im Vergleich zu Einzelbäumen in Japan nur eine untergeordnete Rolle. Das scheint früher anders gewesen zu sein. In dem ersten Wörterbuch der japanischen Sprache, das in Europa erschien, 1604 von einem Jesuiten verfaßt, der über 30 Jahre in Japan gelebt hatte, kommt der Begriff “Bonsan” ( Berg in der Schale ) vor. So bezeichnete man damals die Landschaften, aber anscheinend auch Einzelbäume. Der Begriff “Bonsai” wurde erst 200 Jahre später üblich. Bonsan wird in dem Wörterbuch erklärt als “Miniaturlandschaft aus einem Stein mit grünem Moos und kleinen Bäumchen”. Das war es also, was diesem Mann in Japan aufgefallen war, und man wird annehmen können, dass solche Landschaften damals gegenüber den Einzelbäumen dominierten, genau wie in China.
Johannes hat neulich auf eine Internetseite mit Farbholzschnitten japanischer Miniaturlandschaften aus der Mitte des 19. Jahrhunderts hingewiesen. Sie sehen ziemlich naturalistisch aus, was durchaus zu der schon europäisch beeinflußten Holzschnittkunst paßt. Die ältere japanische Landschaftsmalerei war demgegenüber eher abstrakt und ich habe mal nach einem Beispiel für eine Miniaturlandschaft aus dieser Tradition gesucht. Anbei die Gegenüberstellung :
1. Yoshishige : “Die Station Kanagawa am Tokaido”; Farbholzschnitt, 12x17cm, entstanden 1848
Der Tokaido, die Straße von Tokyo nach Kyoto, war eine beliebte Reiseroute am Anfang des 19. Jahrhunderts, nachdem Vergnügungsreisen in Japan nicht mehr bestraft wurden. Die 53 Rasthäuser an der Straße waren begehrte Holzschnittmotive, als Souvenir für die Reisenden. Solche Farbholzschnitte mit schönen japanischen Landschaften sind gut vergleichbar mit den Stahlstichen mit Rheinansichten etc., die beim europäischen Bürgertum jener Zeit beliebt waren.
Das Bild macht einen realistischen Eindruck, aber das täuscht. Es ist ziemlich stark idealisiert. Die schmale Schlucht, in der sich die Häuser an den Berg schmiegen, ist in der Natur ein viel breiteres Tal. Der Künstler hat die Land schaft dramatisiert, wie das ja bei den Rheinansichten auch gern gemacht wurde.
Diese Dramatisierung kann man durchaus als eine bonsaigerechte Umsetzung sehen, Es geht dem Künstler darum, beim Betrachter die Stimmung zu erzeugen, die er vielleicht auf der Reise an diesem Ort hatte. Dazu ist die realistische Abbildung weniger geeignet, als eine Darstellung, die die charakteristischen Elemente dieser Landschaft stärker hervorhebt. Und da dies in der fernöstlichen Kunst ein gängiges Mittel ist, konnte Yoshishige es extensiver einsetzen als seine europäischen Kollegen, ohne befürchten zu müssen, man werde die Darstellung übertrieben oder unnatürlich finden.
2. Hakuin Ekaku : “Gehen die Bonsan nach dem Ishiyama-Tempel zum Beten?” ; Tusche auf Papier, 40x52cm, entstanden um1750
Hakuin war ein berühmter Zen-Priester. Seine Kunst ist, wie die Zen-Kunst insgesamt nicht zum Schmuck gedacht und will nichts abbilden. Sie dient vielmehr dem Verständnis des ins Bild geschriebenen Verses. Das Betrachten des Bildes soll das Nachdenken über den Vers fördern, der oft eine auf den ersten Blick paradoxe Aussage macht, also ein Nachdenken erfordert.
Hier handelt es sich um einen ironischen Vers, der mit einem Wortspiel arbeitet. Die Schriftzeichen für Miniaturlandschaft und für Priester (“Bonzen”) werden gleich gesprochen: Bonsan. Der Sinn des Verses ist dann wohl: “Gehen die Mönche vom Hiei-Berg tatsächlich nach Ishiyama zum Beten ( oder vielleicht doch eher in ein benachbartes Bordell )?”
Aber auf diesen spezifischen Sinn kommt es gar nicht so sehr an. Wichtiger ist, dass der Betrachter in Bild und Text seinen eigenen Sinn entdeckt. Der religiöse Japaner assoziierte bei einem so dargestellten Berg den Horai-Berg, also eine Paradieslandschaft. Der Vers kann dann auch die Frage hervorrufen, warum Mönche, die in einer so paradiesischen Landschaft leben, überhaupt zum Beten in die Stadt gehen? Sollte nicht derjenige, der diesem Berg nahe ist, auch der Erleuchtung nahe sein?
Die beiden Bilder stammen aus verschiedenen Zeiten, repräsentieren unterschiedliche künstlerische Traditionen und wenden sich an ein unterschiedliches Publikum. Vor allem aber zeigen sie stilistisch sehr unterschiedliche Miniaturlandschaften, eine eher naturalistisch gestaltete, mit Häusern, der Straßentreppe, Menschen und realistischen Bäumen und eine recht abstrakte, mit drei Steinen in einer Schale mit Sand und Andeutungen von Vegetation, die Wald darstellen sollen. In beide kann man sich hineinversetzen. Dabei prägt die erste den Assoziationshorizont stärker vor, während die zweite mehr an die Phantasie appelliert und ihr auch mehr Freiheit läßt.
Ich möchte diese Unterschiede nicht als Qualitätsmerkmale sehen, obwohl es in der Ausführung der Bilder sicher einen Qualitätsunterschied gibt. Die naturalistische Landschaft und die Zen-Landschaft haben unterschiedliche Intentionen und sie verwenden dazu sinnvollerweise unterschiedliche Mittel. In beiden Fällen geht es darum, den Betrachter gefangen zu nehmen und eine Stimmung zu erzeugen, aber die intendierten Stimmungen sind unterschiedlich: das Staunen angesichts der Schönheit der Landschaft oder die Sehnsucht nach dem Paradies.
Muso Kokushi, Zen-Priester und Gartengestalter unterscheidet (1345) drei Arten von Gartenliebhabern ( und die Parallele zu Bonsailiebhabern liegt auf der Hand ):
1. Diejenigen, die ihren Garten schmücken, weil sie bewundert werden wollen, die merkwürdige Bäume und seltene Steine sammeln. Auf sie schaut er herab, was mir ein wenig ungerecht zu sein scheint. Wer möchte nicht mal bewundert oder gelobt werden? Und wenn es diese Leute nicht gäbe, gäbe es auch keine Bonsaiausstellungen.
2. Diejenigen, die die Natur ganz naiv lieben, insbesondere die schöne Landschaft. Sie rezitieren Gedichte, spielen an Quellen Flöte, sie sind für Muso “die Liebenswerten dieser Erde”. Bei Bonsai könnte ich mir denken, dass sie einer naturalistischen Gestaltung zuneigen. Ihnen hätten die Ansichten vom Tokaido oder vom Rhein wohl gefallen. Und ob sie dann kleine Figürchen in die Miniaturlandschaft stellen, ist bloß eine Frage des Geschmacks.
3. Diejenigen, die in ihrem Garten mehr sehen als die äußere Erscheinung, mehr als nur die Ästhetik. Natürlich denkt Muso dabei an die Sehnsucht nach dem Paradies, das Einssein des Ichs mit Bergen und Bäumen und andere buddhistische Motive. Die Miniaturlandschaft von Hakuin wäre wohl nach Musos Geschmack gewesen. Sicher entsprechen Zen und Zen-Kunst nicht unseren geistesgeschichtlichen Voraussetzungen. Aber vielleicht sollte man mal fragen, was denn Bonsai über das Ästhetische hinaus für uns noch bedeuten könnte? Es müssen ja nicht gleich religiöse Erlebnisse sein.
So, jetzt ist es lang genug und es grüßt Euch Gunter Lind
- Dateianhänge
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- Hakuin
- hakuin0041.jpg (59.73 KiB) 6907 mal betrachtet
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- Yoshishige
- b324c.jpg (62.96 KiB) 6907 mal betrachtet
hi
mich würde interessieren ob diese zeichnungen auch verwirklicht wurden.
wurden für die zeichnungen die landschaft oder vieleicht sogar die bonsaigestaltung davon als vorbild genommen
es könnte ja sein das der zeichner nur die bonsailandschaft abmahlen wollte .
ich denke wäre die schlucht nicht enger hätte das wasser nichtmehr draufgepasst
und dann wäre das ganze warscheinlich nichtmehr in die schale gegangen denn für die schalengröße gibt es ja eine formel
die hier auch angewand wurde.
höchst interessant.
mfg mh
mich würde interessieren ob diese zeichnungen auch verwirklicht wurden.
wurden für die zeichnungen die landschaft oder vieleicht sogar die bonsaigestaltung davon als vorbild genommen
es könnte ja sein das der zeichner nur die bonsailandschaft abmahlen wollte .
ich denke wäre die schlucht nicht enger hätte das wasser nichtmehr draufgepasst
und dann wäre das ganze warscheinlich nichtmehr in die schale gegangen denn für die schalengröße gibt es ja eine formel
die hier auch angewand wurde.
höchst interessant.
mfg mh
- Andreas Ludwig
- Mentor
- Beiträge: 6756
- Registriert: 29.03.2005, 16:50
- Wohnort: Schweiz
Hi Mh
das «Abmalen», wie wir es in Europa als Teil der künstlerischen Ausbildung kennen, musst du hier wahrscheinlich ausschliessen. Das ist nicht japanische Art.
Das obere Bild ist ein Vielfarbenholzschnitt. Die macht man so: Der Künstler malt mit dem Pinsel «Farbauszüge», also eine Zeichnung, meist mit schwarzer Tusche, pro Druckfarbe. Diese Auszüge legt der Holzschneider auf Kirschbaumholzplatten und schneidet sie nach. Der Drucker färbt dann die Platten ein und zieht sie nacheinander auf den Papierbogen ab. Diese Arbeit macht man nicht zu Studienzwecken oder für Skizzen, ein Vielfarbenholzschnitt ist eine sorgsam durchdachte Arbeit.
Bei der Pinselzeichnung sind andere Aspekte wichtig. Nach der Natur wird kaum gemalt. Eher lässt sich die Pinselzeichnung in die Nähe der Kalligrafie bringen. Zentral ist die Beherrschung des Instruments Pinsel (versuchs mal, nicht einfach) und die damit erzeugten «Anklänge». Salopp gesagt geht es nicht um die akribische Abbildung eines Karpfens, sondern um die wenigen wesentlichen Linien, die in uns zwingend das Bild eines Karpfens wecken. Da ist mehr drin als «Abzeichnen». Der Künstler betrachtet hundert Karpfen, um dann den einen «aus der Seele heraus» zu malen.
Demnach dürfen wir bei beiden Bildern voraussetzen, dass sie weniger Gegebenheiten wiedergeben, sondern eher Idealisierungen darstellen. Das hilft weiter: Eine idealisierte Schlucht darf natürlich enger sein, damit ihr Charakter umso deutlicher zutage tritt. Realismus ist in der klassischen japanischen Kunst kein sehr wichtiges Kriterium, das Erfassen des Wesens einer Sache dagegen schon. So gehts dann auch mit der Perspektive. Sowohl in Holzschnitten wie in Pinselzeichnungen begegnet man oft extremen perspektivischen Staffelungen. Das kennen wir bei uns zwar auch, vor allem in der mittelalterlichen Buchillustration war das ein häufig angewandter Trick, später entdecken es die Expressionisten neu. Ludwig Kirchner «stapelte» seine Landschaften manchmal auf sehr «japanische Art». Auch hier zieht man also die Herausarbeitung bestimmter Aspekte dem Realismus vor.
Darum sehe ich auch absolut keinen Qualitätsunterschied in der Ausführung. Da scheint mir der (europäische) Massstab der realistischen Wiedergabe Pate gestanden zu haben. Aber das nebenbei.
Denn: Jetzt sind wir mitten in einer Lektion über japanische Kunst. Der Titel war aber «Miniaturlandschaften: realistisch und abstrakt». Ich würde gerne dahin zurückgehen. Aus einer echten Überzeugung, die da lautet: Es wäre Zeitverschwendung, in allen Belangen die japanische Tradition aufzunehmen, verstehen und anwenden zu wollen. Oder eine beliebige andere. Das Beste, was man da erwarten kann, ist ein hervorragendes Imitat. Darin sehe ich aber keinen Sinn. Dann gebe ich Landschaften wieder, die ich nicht kenne, die mir nicht vertraut sind. Auf eine Art, die mir nicht entspricht und mir nicht geläufig ist. Sicher gibt es grundsätzliche Aspekte, die für uns genauso gelten werden. Aber die müssen wir wohl erst finden und benennen. Dazu können wir Vorbilder heranziehen, das Ziel darf aber nicht sein, irgendwann mit diesen deckungsgleich zu werden.
Ich habe aufgrund von gunters Beitrag gestern mal die Arbeiten eines der ganz grossen japanischen Künstler durchgesehen, die Farbholzschnitte von Hokusai. Er lebte circa von 1760 bis 1840, war ein fanatischer Künstler und wurde in seiner zeit als Genie anerkannt. In diesen Farbschnitten tauchen zwar keine Bonsai auf, aber eine Menge Landschaften. Sieht man – ganz abstrahierend – den Bildrand als «Schale», kann man da durchaus Analogien suchen.
So kam ich auf einen ganz simplen Gedanken, anhand dessen ich mir dann einmal eine Reihe von «Landschaftsgestaltungen» hier im Internet angeschaut habe. Dann sieht man, dass erstens die erwähnte perspektivische Staffelung ein Thema ist, das von den technischen Umständen her zwingend vorgegeben wird. Der Umsetzungsschritt der perspektivischen Verdichtung ist zu machen, sonst kann mans gleich lassen.
Ein zweiter Aspekt, vielleicht der allerwichtigste, ist die Frage der Begrenzung. Das ist nicht etwa die technische Frage, mit welcher Paste da gearbeitet wird. Da geht es darum, festzulegen, wo die Landschaft anfänget und wo sie aufhört. Banal? Keineswegs. Man betrachte sich die Schlucht im Holzschnitt. Da wird mit dem simplen Trick gearbeitet, dass die Landschaft oben durch einen Horizont, unten durch ein Ufer begrenzt wird. Das ist verhältnismässig einfach zu lösen. Schwieriger wird es, wenn ich bewusst einen Wildbach darstellen will. Wie beende ich die Gestaltung hinten, wie vorne? Ich bin seit einiger Zeit an so etwas und muss selbst grinsen, wenn mein Sohn lakonisch sagt: «Er baut wieder mal um».
Die «Grenze der Lndschaft» ist alles entscheidend. Es ist gleichzeitig die Grenze zwischen Kitsch und Kunst, zwischen packender Dramatik und säuselndem Idyll. Das haben gunters Autoren ja sehr schön festgestellt.
Meine Frage geht darum in eine etwas spezifischere Richtung. Am Rande beschäftigt sich der Versuch mit einer neuen Schalenform für Walters «Tölzer Linde» genau damit: Wie bringe ich bewusst Weiträumigkeit in eine Schale? (hierhttp://www.bonsai-fachforum.de/ftopic2084-45.html) Wie reduziere ich eine Ackerlandschaft, eine Rheinebene, ein Sundgauer Hügelland oder eine norddeutsche Heide so, dass gerade genug davon da ist, um «den Karpfen zu zeigen»? Mir scheint im Moment, dass es bedeutend einfacher ist, eine wilde Klippe oder ein schroffes Felstal zu gestalten, als eine sanfte Hügellandschaft.
Und das ist erst der Grundaufbau. Dass mehr als die Hälfte der von uns gepflegten Bonsaiarten nichts taugt für solche Gestaltungen, kommt dann noch dazu…
So. Auch genug.
Danke denen, die es interessiert. Für den Rest: Nicht heulen, ist bloss Kunstgeschwafel.
das «Abmalen», wie wir es in Europa als Teil der künstlerischen Ausbildung kennen, musst du hier wahrscheinlich ausschliessen. Das ist nicht japanische Art.
Das obere Bild ist ein Vielfarbenholzschnitt. Die macht man so: Der Künstler malt mit dem Pinsel «Farbauszüge», also eine Zeichnung, meist mit schwarzer Tusche, pro Druckfarbe. Diese Auszüge legt der Holzschneider auf Kirschbaumholzplatten und schneidet sie nach. Der Drucker färbt dann die Platten ein und zieht sie nacheinander auf den Papierbogen ab. Diese Arbeit macht man nicht zu Studienzwecken oder für Skizzen, ein Vielfarbenholzschnitt ist eine sorgsam durchdachte Arbeit.
Bei der Pinselzeichnung sind andere Aspekte wichtig. Nach der Natur wird kaum gemalt. Eher lässt sich die Pinselzeichnung in die Nähe der Kalligrafie bringen. Zentral ist die Beherrschung des Instruments Pinsel (versuchs mal, nicht einfach) und die damit erzeugten «Anklänge». Salopp gesagt geht es nicht um die akribische Abbildung eines Karpfens, sondern um die wenigen wesentlichen Linien, die in uns zwingend das Bild eines Karpfens wecken. Da ist mehr drin als «Abzeichnen». Der Künstler betrachtet hundert Karpfen, um dann den einen «aus der Seele heraus» zu malen.
Demnach dürfen wir bei beiden Bildern voraussetzen, dass sie weniger Gegebenheiten wiedergeben, sondern eher Idealisierungen darstellen. Das hilft weiter: Eine idealisierte Schlucht darf natürlich enger sein, damit ihr Charakter umso deutlicher zutage tritt. Realismus ist in der klassischen japanischen Kunst kein sehr wichtiges Kriterium, das Erfassen des Wesens einer Sache dagegen schon. So gehts dann auch mit der Perspektive. Sowohl in Holzschnitten wie in Pinselzeichnungen begegnet man oft extremen perspektivischen Staffelungen. Das kennen wir bei uns zwar auch, vor allem in der mittelalterlichen Buchillustration war das ein häufig angewandter Trick, später entdecken es die Expressionisten neu. Ludwig Kirchner «stapelte» seine Landschaften manchmal auf sehr «japanische Art». Auch hier zieht man also die Herausarbeitung bestimmter Aspekte dem Realismus vor.
Darum sehe ich auch absolut keinen Qualitätsunterschied in der Ausführung. Da scheint mir der (europäische) Massstab der realistischen Wiedergabe Pate gestanden zu haben. Aber das nebenbei.
Denn: Jetzt sind wir mitten in einer Lektion über japanische Kunst. Der Titel war aber «Miniaturlandschaften: realistisch und abstrakt». Ich würde gerne dahin zurückgehen. Aus einer echten Überzeugung, die da lautet: Es wäre Zeitverschwendung, in allen Belangen die japanische Tradition aufzunehmen, verstehen und anwenden zu wollen. Oder eine beliebige andere. Das Beste, was man da erwarten kann, ist ein hervorragendes Imitat. Darin sehe ich aber keinen Sinn. Dann gebe ich Landschaften wieder, die ich nicht kenne, die mir nicht vertraut sind. Auf eine Art, die mir nicht entspricht und mir nicht geläufig ist. Sicher gibt es grundsätzliche Aspekte, die für uns genauso gelten werden. Aber die müssen wir wohl erst finden und benennen. Dazu können wir Vorbilder heranziehen, das Ziel darf aber nicht sein, irgendwann mit diesen deckungsgleich zu werden.
Ich habe aufgrund von gunters Beitrag gestern mal die Arbeiten eines der ganz grossen japanischen Künstler durchgesehen, die Farbholzschnitte von Hokusai. Er lebte circa von 1760 bis 1840, war ein fanatischer Künstler und wurde in seiner zeit als Genie anerkannt. In diesen Farbschnitten tauchen zwar keine Bonsai auf, aber eine Menge Landschaften. Sieht man – ganz abstrahierend – den Bildrand als «Schale», kann man da durchaus Analogien suchen.
So kam ich auf einen ganz simplen Gedanken, anhand dessen ich mir dann einmal eine Reihe von «Landschaftsgestaltungen» hier im Internet angeschaut habe. Dann sieht man, dass erstens die erwähnte perspektivische Staffelung ein Thema ist, das von den technischen Umständen her zwingend vorgegeben wird. Der Umsetzungsschritt der perspektivischen Verdichtung ist zu machen, sonst kann mans gleich lassen.
Ein zweiter Aspekt, vielleicht der allerwichtigste, ist die Frage der Begrenzung. Das ist nicht etwa die technische Frage, mit welcher Paste da gearbeitet wird. Da geht es darum, festzulegen, wo die Landschaft anfänget und wo sie aufhört. Banal? Keineswegs. Man betrachte sich die Schlucht im Holzschnitt. Da wird mit dem simplen Trick gearbeitet, dass die Landschaft oben durch einen Horizont, unten durch ein Ufer begrenzt wird. Das ist verhältnismässig einfach zu lösen. Schwieriger wird es, wenn ich bewusst einen Wildbach darstellen will. Wie beende ich die Gestaltung hinten, wie vorne? Ich bin seit einiger Zeit an so etwas und muss selbst grinsen, wenn mein Sohn lakonisch sagt: «Er baut wieder mal um».
Die «Grenze der Lndschaft» ist alles entscheidend. Es ist gleichzeitig die Grenze zwischen Kitsch und Kunst, zwischen packender Dramatik und säuselndem Idyll. Das haben gunters Autoren ja sehr schön festgestellt.
Meine Frage geht darum in eine etwas spezifischere Richtung. Am Rande beschäftigt sich der Versuch mit einer neuen Schalenform für Walters «Tölzer Linde» genau damit: Wie bringe ich bewusst Weiträumigkeit in eine Schale? (hierhttp://www.bonsai-fachforum.de/ftopic2084-45.html) Wie reduziere ich eine Ackerlandschaft, eine Rheinebene, ein Sundgauer Hügelland oder eine norddeutsche Heide so, dass gerade genug davon da ist, um «den Karpfen zu zeigen»? Mir scheint im Moment, dass es bedeutend einfacher ist, eine wilde Klippe oder ein schroffes Felstal zu gestalten, als eine sanfte Hügellandschaft.
Und das ist erst der Grundaufbau. Dass mehr als die Hälfte der von uns gepflegten Bonsaiarten nichts taugt für solche Gestaltungen, kommt dann noch dazu…
So. Auch genug.
Danke denen, die es interessiert. Für den Rest: Nicht heulen, ist bloss Kunstgeschwafel.
Hallo Gunter
Mich interessieren Miniaturlandschaften sehr (in der Realistion als
Bonsai-Gestaltung). Das Problem übergrosser Schalen habe ich
gelöst. Künstliche Berge sind im Endstadium der Entwicklung.
Meine Problematik liegt im selben Bereich den Du angesprochen hast
Wie stelle ich eine grössere Landschaft in klein dar.
Also keine Monokultur , welche Pflanzen in welchem Bereich ?
Meine Vorstellung Felslandschaft mit Abbruch zum Fluss hin
Bepflanzung mit Lärchen und Fichten im Felsbereich,
im flachen Bereich Buchen und ???
Wenn Du Ideen oder eine Skizze deiner Vorstellung hast
mail sie mir doch mal rüber
mfG Dieter
Mich interessieren Miniaturlandschaften sehr (in der Realistion als
Bonsai-Gestaltung). Das Problem übergrosser Schalen habe ich
gelöst. Künstliche Berge sind im Endstadium der Entwicklung.
Meine Problematik liegt im selben Bereich den Du angesprochen hast
Wie stelle ich eine grössere Landschaft in klein dar.
Also keine Monokultur , welche Pflanzen in welchem Bereich ?
Meine Vorstellung Felslandschaft mit Abbruch zum Fluss hin
Bepflanzung mit Lärchen und Fichten im Felsbereich,
im flachen Bereich Buchen und ???
Wenn Du Ideen oder eine Skizze deiner Vorstellung hast
mail sie mir doch mal rüber
mfG Dieter
Hallo Dieter,zopf hat geschrieben:Hallo Gunter
Mich interessieren Miniaturlandschaften sehr (in der Realistion als
Bonsai-Gestaltung). Das Problem übergrosser Schalen habe ich
gelöst. Künstliche Berge sind im Endstadium der Entwicklung.
Meine Problematik liegt im selben Bereich den Du angesprochen hast
Wie stelle ich eine grössere Landschaft in klein dar.
Also keine Monokultur , welche Pflanzen in welchem Bereich ?
Meine Vorstellung Felslandschaft mit Abbruch zum Fluss hin
Bepflanzung mit Lärchen und Fichten im Felsbereich,
im flachen Bereich Buchen und ???
Wenn Du Ideen oder eine Skizze deiner Vorstellung hast
mail sie mir doch mal rüber
mfG Dieter
interessantes Gebiet mit dem Du Dich da beschäftigst.
Auch wenn ich nicht Gunther bin, so habe ich mich doch vor längerer Zeit (ca. ´82) auch einmal hiermit intensiver beschäftigt. Das war sehr interessant, lehr- und aufschlussreich für mich.
Leider war unser bestes, je geschaffene Werk nur eine wohl überlegte und gut vorbereitete Landschaft auf einer BCD-Ausstellung für 2 Tage. Danach haben wir das ganze wieder abgebaut und die Einzelteile entsorgt. Als alter Fotografiemuffel kann ich nicht mal mit Bildern dienen.
Jetzt wird hier jeder denken: DER kann ja viel erzählen und hier auf den Putz hauen!
Ja, könnte ich tatsächlich, denn der größte Bewunderer unseres damaligen Werks kann nicht mehr befragt werden (John Y. Naka). Doch vor 14 Tagen hat mich Peter Krebs mal darauf angesprochen. Irgendwie hat es scheinbar auch ohne Bilder bei manchen Menschen bleibende Eindrücke hinterlassen und nicht nur schlechte.
Worauf ich aber hinaus wollte ist folgendes. Wenn man sich mit solchen Landschaftgestaltungen beschäftigt, ist ein Blick zu den bildschaffenden Künstlern sicherlich hilfreich, doch noch mehr hilft m.E. der Anblick von anderen, bereits geschaffenen Miniaturlandschaften.
Auf japanischer Seite sind drei Begriffe hierbei hilfreich, obwohl ich nicht weiß, ob man sie alle so ohne weiteres in den "Bonsaigedanken" einordnen kann. (Die Chinesen haben ihre eigenen Pendants.)
Bonkei - trockene Landschaft, OHNE lebende Pflanzen
Saikei - durch Kawamoto zur Perfektion geführte Kunstform der Miniaturlandschaft und die wohl bekannteste
Hakoniwa - eher die etwas grobschlächtigere Ur-Form eines Saikei, eine Landschaft in einer KISTE (und das ist wörtlich zu nehmen) und sehr großflächig, sowohl in der Ausführung, als auch im dargestellten Landschaftsausschnitt.
Als wir damals unsere Landschaft entwarfen, wusste ich einiges über Saikei und Herrn Kawamoto, doch nicht genug. Wir dachten also, wir würden einfach ein großes Saikei schaffen (ca. 1 m²). Erst John Naka klärte uns auf, dass dies ein Hakoniwa sei.
Ja Schock und schwere Not, was war jetzt auch dies?
Viel mehr als bereits oben geschrieben kann ich kaum sagen - obwohl es weit komplexer ist.
Leider gibt es auch kaum Literaturstellen hierzu oder ich habe sie nicht gefunden, doch ich bin gespannt was Ihr so ausgrabt.
Grüße aus dem sonnigen Baden
Gary
Arbeitskreis Karlsruhe im BCD
Gary
Arbeitskreis Karlsruhe im BCD
-
gunter
Es freut mich, daß sich so eine interessante und weiterführende Diskussion ergeben hat. Vielleicht kommt ja noch mehr. Es würde sich lohnen, da man dazu in der Literatur nicht sehr viel findet, also mehr selbst nachdenken muß. Ich muß mich allerdings erst mal für einige Tage ausklinken, wegen einer Reise.
Andreas hat auf einen wichtigen Punkt hingewiesen: Dinge wie Perspektive oder Begrenzung, die für Landschaften sehr wichtig sind, sind für Bonsai eher zweitrangig, so daß man da wenig erben kann. Herb Gustafson hat in seinem Buch über Bonsailandschaften ein ganzes Kapitel über "The concept of depth", wo er die Erzeugung von Räumlichkeut durch die Platzierung von Bäumen und Steinen behandelt. Ich finde, man kann auch einiges aus der fernöstlichen Landschaftsmalerie lernen, wo die Erzeugung von Tiefe ohne Zentralperspektive oft virtuos gehandhabt wird. Vielleicht könnte man da auch was zur Begrenzung lernen, aber ich muß zugeben, daß ich danach noch nie geschaut habe.
Für die Gestaltung einer flachen Hügellandschaft wird man dort sicher nichts finden. Weiträumigkeit habe ich in der fernöstlichen Malerei oder Gartenkunst bisher nur im Zusammenhang mit Wasserflächen gefunden. Bei Kawamoto gibt es durchaus auch flache Landschaften, aber sie sind nicht weitläufg, sondern ähneln eher Waldpflanzungen.
Fernöstliche Miniaturlandschaften zeigen natürlich Landschaften des fernen Ostens. Wir haben andere Landschaften und manchmal vielleicht auch eine andere Vorstellung von landschaftlicher Schönheit. Ich weiß nicht, ob jemand schon mal versucht hat, die Einsamkeit einer Moorlandschaft in einer Schale einzufangen. Wäre doch eine interessante Aufgabe. Ich traue sie mir noch nicht zu. Meine bislang einzigen Versuche mit Landschaften sind eher aus dem Wunsch entstanden, einige schöne Steine zu verwenden und erinnern nicht an heimische Landschaften. Ich habe sie vor langer Zeit mal hier gezeigt, am 30.3.04 (wie ich den Verweis darauf machen müßte, weiß ich nicht).
Noch ein Wort zu Andreas` Satz zum Qualitätsunterschied der beiden gezeigten Bilder. Ich meine, daß das von Hakuin das qualitätvollere ist. Yoshishige ist ein guter Gebrauchskünstler, aber mit den Holzschnitten von Hokusai nicht vergleichbar. Aber darauf kam es mir nicht an und wenn ich zwei gleichwertige Bilder gehabt hätte, wäre mir lieber gewesen.
Soviel auf die Schnelle. Ein schönes Wochenende wünscht Euch Gunter Lind.
Andreas hat auf einen wichtigen Punkt hingewiesen: Dinge wie Perspektive oder Begrenzung, die für Landschaften sehr wichtig sind, sind für Bonsai eher zweitrangig, so daß man da wenig erben kann. Herb Gustafson hat in seinem Buch über Bonsailandschaften ein ganzes Kapitel über "The concept of depth", wo er die Erzeugung von Räumlichkeut durch die Platzierung von Bäumen und Steinen behandelt. Ich finde, man kann auch einiges aus der fernöstlichen Landschaftsmalerie lernen, wo die Erzeugung von Tiefe ohne Zentralperspektive oft virtuos gehandhabt wird. Vielleicht könnte man da auch was zur Begrenzung lernen, aber ich muß zugeben, daß ich danach noch nie geschaut habe.
Für die Gestaltung einer flachen Hügellandschaft wird man dort sicher nichts finden. Weiträumigkeit habe ich in der fernöstlichen Malerei oder Gartenkunst bisher nur im Zusammenhang mit Wasserflächen gefunden. Bei Kawamoto gibt es durchaus auch flache Landschaften, aber sie sind nicht weitläufg, sondern ähneln eher Waldpflanzungen.
Fernöstliche Miniaturlandschaften zeigen natürlich Landschaften des fernen Ostens. Wir haben andere Landschaften und manchmal vielleicht auch eine andere Vorstellung von landschaftlicher Schönheit. Ich weiß nicht, ob jemand schon mal versucht hat, die Einsamkeit einer Moorlandschaft in einer Schale einzufangen. Wäre doch eine interessante Aufgabe. Ich traue sie mir noch nicht zu. Meine bislang einzigen Versuche mit Landschaften sind eher aus dem Wunsch entstanden, einige schöne Steine zu verwenden und erinnern nicht an heimische Landschaften. Ich habe sie vor langer Zeit mal hier gezeigt, am 30.3.04 (wie ich den Verweis darauf machen müßte, weiß ich nicht).
Noch ein Wort zu Andreas` Satz zum Qualitätsunterschied der beiden gezeigten Bilder. Ich meine, daß das von Hakuin das qualitätvollere ist. Yoshishige ist ein guter Gebrauchskünstler, aber mit den Holzschnitten von Hokusai nicht vergleichbar. Aber darauf kam es mir nicht an und wenn ich zwei gleichwertige Bilder gehabt hätte, wäre mir lieber gewesen.
Soviel auf die Schnelle. Ein schönes Wochenende wünscht Euch Gunter Lind.
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Constantin
Auch ich finde die Diskussion sehr interessant und habe tatsächlich alles gelesen!
Ich wei0 ja nicht wie es ecuh geht, aber bei Landschaften habe ich manche Bilder im Kopf von denen ich nicht weiß wie ich sie in eine Schale bekommen soll.
Übrigens finde ich dass Miniaturlandschaften zu Unrecht belächelt und vernachlässigt werden.
Ich wei0 ja nicht wie es ecuh geht, aber bei Landschaften habe ich manche Bilder im Kopf von denen ich nicht weiß wie ich sie in eine Schale bekommen soll.
Übrigens finde ich dass Miniaturlandschaften zu Unrecht belächelt und vernachlässigt werden.
interessantes Thema,
und sehr interessant Eure Beiträge zu lesen,
vor einigen Jahren hab ich mir nen Zimmerbrunnen
ala Minilandschaft "gebaut",
mit bepflanztem Felsen,Wasserpumpe,Nebler,Beleuchtung u.s.w.,
aber so richtig befriedigt hat er mein Auge nie(z.B. Schale viel zu gross);
bedingt durch einige Wohnungswechsel liegt er zur Zeit irgendwo
in Einzelteilen rum,sobald ich Zeit hab werd ich mich aber wieder damit
beschäftigen,
also tauscht Euch kräftig aus(ich hab was davon)
Gary hat geschrieben
und auf DEN Putz schon gar nicht,gell
tschuldigung Gary konnt ich mir einfach nicht verkneifen
und sehr interessant Eure Beiträge zu lesen,
vor einigen Jahren hab ich mir nen Zimmerbrunnen
ala Minilandschaft "gebaut",
mit bepflanztem Felsen,Wasserpumpe,Nebler,Beleuchtung u.s.w.,
aber so richtig befriedigt hat er mein Auge nie(z.B. Schale viel zu gross);
bedingt durch einige Wohnungswechsel liegt er zur Zeit irgendwo
in Einzelteilen rum,sobald ich Zeit hab werd ich mich aber wieder damit
beschäftigen,
also tauscht Euch kräftig aus(ich hab was davon)
Gary hat geschrieben
DER Putz wird hier nicht gehauenJetzt wird hier jeder denken: DER kann ja viel erzählen und hier auf den Putz hauen!
und auf DEN Putz schon gar nicht,gell
tschuldigung Gary konnt ich mir einfach nicht verkneifen
Gruss Walter
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Constantin
Das ist eine wirklich interessante Idee, die mich schon den ganzen Tag beschäftigt. Was muss eine solche Miniaturlandschaft also enthalten? Was ist das Wesentliche? Welche Pflanzen und Materialien könnten zum Einsatz kommen. Oder ist ein solches Vorhaben gar nicht zu verwirklichen?gunter hat geschrieben: Ich weiß nicht, ob jemand schon mal versucht hat, die Einsamkeit einer Moorlandschaft in einer Schale einzufangen. Wäre doch eine interessante Aufgabe.
Also wer Lust hat darüber zu diskutieren...
- Andreas Ludwig
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Hi guntergunter hat geschrieben:Vielleicht könnte man da auch was zur Begrenzung lernen, aber ich muß zugeben, daß ich danach noch nie geschaut habe. […] Ich weiß nicht, ob jemand schon mal versucht hat, die Einsamkeit einer Moorlandschaft in einer Schale einzufangen. Wäre doch eine interessante Aufgabe. Ich traue sie mir noch nicht zu.
Ich habe diese Sätze aus deinem Post gepickt und stelle sie in einen Zusammenhang. Denn da ist einer. Das Thema «Moorlandschaft» hat mich interessiert, als ich einen eigenartigen kleinen Baum erwarb. Ein hässlicher Besen, vom Gestalter offenbar aufgegeben, vom Händler aus Mitleid duchgefüttert. Nach mehreren Metern Draht sah ich darin eine krumpelige, alte Moorweide, wie sie in den Mooren und Auen meiner Heimat wachsen. Damit andere das auch sehen, wollte ich «ein Stück Moor dazupacken». Ich fand keine Lösung, bis ich in einer Schuttmulde (ich bin nicht zimperlich…) ein Stück polierte, sumpffarbene Steinplatte fand. Jetzt tut sich wieder was.
Die massgebliche Anregung dazu stammte aus einem sehr schönen Hokusaidruck, der einen verbannten japanischen Beamten bei seiner Abreise zeigt. Er wirft einen letzten Blick auf die Landschaft im Schneetreiben, sein Diener schaut still zu. Diese Landschaft hat Hokusai «abstrakt begrenzt». Die sehr realistisch dargestellten Figuren (Beamter, Diener, Büsche, ein Baum) stehen in einer Landschaft, die im Hintergrund bewusst unklar formuliert wird, teils einfach aus blauen, zu weiss auslaufenden Flächen besteht.
Ich habe den Eindruck, wir können uns viel mehr zutrauen, wenn wir uns von den Paradigmen der «Topflandschaftsgärtnerei» lösen. Die gibt es ja, es existiert eine komplette «Sandsymbolik»: Roter Sand ist ein Fluss, weisser Sand ein See etc. Ist es das aber wirklich? Vielleicht müssen wir da für uns ganz von vorne anfangen, die Landschaften, die wir sehen, zerlegen und uns fragen «Woran erinnert das?». Dann die Dinge, die wir kennen, als Fragmente betrachten und uns fragen: «Was könntest du auch noch sein?». Und dann zusammensetzen.
Bei einem Treffen neulich hat jemand gefragt, ob es Experimente mit anderen Materialien für Schalen gäbe, rostiges Blech und so. Ich glaube, das ist der falsche Weg. Das ist Kunst, die so tut, als ob sie welche wäre – bewusst anders. Wenn mich aber ein Hochmoor an ein rostiges Blech erinnert (und das tun diese Moore manchmal), sehe ich keinen Grund, kein rostiges Blech zu verwenden.
Gunter – ich weiss nicht, ob ich mir ein einsames Moor als Gestaltung zutraue. Damit ich es weiss, probiere ich es aber.
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gunter
Wir könnten ja auch mit etwas Einfacherem anfangen als der Gestaltung der großen Weite in einer kleinen Schale. Wie wäre es mit einer Dolomitenlandschaft? Das Beispiel stammt allerdings aus China. Vielleicht ist Qingquan Zhao der Gestalter. Gefunden in "Zhongguo Huahui Penjing", in einem Artikel, wo es offenbar um eine Demonstration von Zhao geht.
Gruß von Gunter Lind
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- Andreas Ludwig
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gunter hat geschrieben:Wir könnten ja auch mit etwas Einfacherem anfangen als der Gestaltung der großen Weite in einer kleinen Schale.
Klar. Pianisten verbringen viel Zeit mit Tonleitern und Zugaben. Am besten macht man wohl alles gleichzeitig und zeigt nur, was brauchbar ist.
Schöne Landschaft! Mir fällt wieder einmal auf, dass die chinesische Wahrnehmung keine Angst vor dem Skurrilen, Verwinkelten hat. Der Fels ist dicht umringt, der Wald undurchdringlich für die sprichwörtlichen Vöglein.
Mir fällt noch was auf: So eine Landschaft kann eigentlich nur eine «saisonale Gestaltung» sein, jedenfalls der Vordergrund. Für einen Sommer oder Herbst, vielleicht für einen Anlass bloss. Das ist auch ein anderer Grundgedanke als bei Bonsai.
Ich hatte eine Weile einen Topf, da war erst Unkraut drin. Wurde vergessen, jahrelang. Im Humus wuchs dann eine Hasel, Moos, manchmal ein paar Springkräuter, Hahnenfüsse, Günsel kroch die Wand hoch. Man musste eingreifen, sonst hatten einzelne Arten keine Chance. Ein übereifriger Gärtner hat alles kompositiert. Schade – mir gefiel dieser Topf, der jede Woche anders war.
Kannst du dir Landschaften vorstellen, in denen die dauernde Veränderung Konzept ist? Oder greife ich wieder nach Sternen?
Gruss
AL
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gunter
Sicher kann ich mir saisonale Gestaltungen vorstellen. Die Steine und die Bäume könnten das Gerüst bilden, und die Beipflanzung könnte jahreszeitlich variiert werden. Wenn man dann als Bäume z.B. Lärchen nimmt, könnte man eine Alpenlandschaft durch die Jahreszeiten gut verfolgen. Und man wäre gar nicht so weit von der japanischen Tradition entfernt,wie das Beispiel andeutet.
Gruß von Gunter Lind
Gruß von Gunter Lind
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- Traditionelle Herbstlandschaft im Nahblick, Eberesche, Pampasgras, Moos, etc, in antiker chinesischer Porzellanschale. Gestaltet von Ohara Koun 1936
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- Andreas Ludwig
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