Hallo,
die Besenform als Kunstform, im Sinne von künstlich? Ich weiss nicht recht.
Man stelle sich einen sehr alten Baum, freistehend, im Gegenlicht vor. Ich habe mal eine Tuschezeichnung versucht: Ein perfekter Besen, gar nicht unnatürlich wirkend, vom Typ b, dazu später mehr.
Die Besenform, Hokidachi auch Hoki-Zukuri oder broom style, hat einen kerzengeraden Stamm, der makellos (narbenfrei) sein muss. Das Nebari breitet sich harmonisch nach allen Seiten aus.
Die Krone zweigt sich bei der klassischen Variante a direkt oberhalb des Stammes in zahlreiche Substämme/starke Äste auf, aber nicht an einer einzigen Stelle, sondern gestuft. Das schafft mehr Rhythmus und vermeidet einen zu künstlichen Eindruck.
Die Krone ist breiter als hoch, der Stamm hat höchstens 1/3 der Kronenhöhe. Dieses Verhältnis ist bei alten, reifen Bäumen noch deutlich mehr zugunsten der Krone verschoben.
Die Variante b (Tuschezeichnung ganz oben) hat den gleichen geraden Stamm. Er setzt sich in der Krone fort und best mehr oder weniger weit entfernt von der Spitze auf.
Beide Formen müssen eine kontinuierliche Verjüngung der Äste zur Peripherie hin aufweisen. Die Zweige lösen sich schließlich in feinste Endtriebe auf.
Beide Formen stehen gleichberechtigt nebeneinander. Es gibt Bonsaimenschen, die mehr der Variante b anhängen, weil sie natürlicher wirke als a. Das ist Geschmachssache. Beide Formen können bei Reife nach vielen Jahren des gestalterischen Könnens einen tiefen Eindruck von Harmonie beim Betrachter hinterlassen.
Naka hat beschrieben, dass ein Aufbau auch bei radikaler Stammkappung möglich ist. Hier sind meine Erfahrungen eher ernüchternd. Der verdickungsfreie Übergang vom Stamm zur Krone ist hier die Schwierigkeit.
Entfernungen von 2/3 der ursprünglichen Krone mit Neuaufbau über Jahrzehnte nach der Methode "cut and grow" (lang auswachsen lassen und radikaler Rückschnitt im zeitigen Frühjahr) waren erfolgreicher.
Der harmonische Aufbau der Besenform ist eigentlich nur aus Sämlingen oder geeigneten einjährigen Stecklingen möglich. Die Auswahl am Beginn stellt schon die ersten Weichen, die zum Erfolg oder in die Frustration führen.
http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... =9&t=42130
Man muss sich von Anfang an klar sein, dass dann der Aufbau Jahre, eher Jahrzehnte dauert und der Gestalter zu allen Jahreszeiten gefordert ist, aber das ist ja allgemein bei Bonsai so.
Die Zelkove ist der Baum für die Besenform, ja, es wird berichtet, dass die eigenständige Wuchsform Hokidachi nur für die Zelkove Anfang des letzten Jahrhunderts benannt worden ist, was nicht heissen soll, dass nicht auch andere Pflanzenspezies als Besenform gezogen werden können. Allerdings kommt man meistens wegen der eingeschränkten Möglichkeit zur Feinverzweigung schnell an Grenzen.
Gerader Stamm, harmonisch verzweigtes Nebari, soweit so gut. Die eigentliche Herausforderung ist die Kronengestaltung mit der Verjüngung der Triebe. Das ist ein ewiger Kampf, nicht nur das Erreichen des Gestaltungszieles, sondern auch dessen Erhaltung auf dem Weg dorthin. Und da hat die Zelkove als Hauptvertreterin dieser Richtung noch eine ganz fieses Verhalten, um uns zu ärgern: Die Neigung zur Bildung von Adventivknospen, Knospen, die austreiben wollen, wo schon ein Trieb ist und der zeigt auch noch so gut wie immer in die unerwünschte Richtung! Es nützt nichts: Im Herbst und Winter muss der gesamte Baum auf diese Adventivknospen abgesucht werden. Die Dinger müssen abgeknipst werden, es sei denn, die Adventivknospe zeigt in eine bessere Richtung als der bereits vorhandene Trieb, aber das ist selten. Versäumt man das, gräbt die austreibende Adventivknospe dem bereits vorhandenen Trieb das Wasser ab, der ursprüngliche Trieb schwächelt dann mächtig. Diese Zickigkeit der Zelkove muss man kennen, sonst wird es nichts mit einem harmonischen Aufbau.
Beste Grüsse,
Heiner
Laubbaum-Entwicklung
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Re: Laubbaum-Entwicklung
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