Dieses Thema ist hier im Forum wahrscheinlich schon öfter diskutiert worden... habe ja auch schon einiges gefunden, u.a. einen Beitrag Herrn Schillings, zu dem ich in einem anderen Forum bereits Stellung bezogen habe. In diesem besagten Forum (bonsai art) disktuieren wir seit einiger Zeit sehr hitzig das Thema Wundverschluß.
Die meisten sind wohl der Meinung, eine Schnittwunde sei unbedingt zu behandeln (böse ausgedrückt: mit Wundverschluß zuzukleistern, beispielsweise mit LacBalsam). Meist aus optischen Gründen oder aus Angst, die Wunde könnte austrocknen... Eigentlich ist das Thema schon ziemlich durch beide Seiten haben ihre unabweichlichen Standpunkte. Dennoch wurde ich gebeten, den "Mut" zu beweisen im Bonsai-"Fachforum" (ich frage mich, ob bonsai art ein Kaffee-Verein ist, wenn sogar Walter Pall da mal postet, nochmals danke.). Außerdem wurde um Bilder gebeten, die ich schuldig bleiebn muß, keien Möglichkeit die zu posten, bin froh, das mein Rechner noch läuft. Nun aber genug bla bla, der eine oder andere wird sich schon fragen was das soll:
Ich vertrete die Ansicht, Schnittwunden generell nicht zu behandeln, sondern besonders großen Wert auf die Schnittführung zu legen. Diese sollte stets so erfolgen, daß der Astkragen nicht beschädigt wird. Der Astkragen ist die Wulst, die am Übergang Stamm/Ast vorhanden ist. Dieser Kragen sorgt dann für das verschließen der Wunde, er darf nicht verletzt werden, da er auch das Holz nach innen gegen Fäulnis abschottet (wie das genau funktioniert, hat man noch nicht herausgefunden). Schneidet man also längs durch eine ältere Wunde (ca. 2 Jahre sollten für ein vernünftiges Ergebnis reichen) , so wird man feststellen, daß die Fäule ein Stück weit in das Holz vordringt und dann scharf abgegrenzt wird, sowohl nach oben, unten und zu den Seiten. Neu entstandenes Holz wird nicht befallen. Kein Wundverschluß der Welt kann diesen Prozeß verbessern. Die Wunde verschließt sich praktisch dadurch, daß jedes Jahr quasi "ein neuer Baum um den alten wächst". Austrocknen der Wunden läßt sich durch Schnittfehler erklären. Beispiel: Schneide ich einen Zweig nicht direkt vor einer Knospe oder Gabelung ab, so wird vermutlich der ganze Teil bis zur Knospe absterben, denn dort ist nichts wichtiges mehr, das versorgt werden muß.
Ich halte es ebenso für einen Mythos, Bonsai sei etwas anderes als "Obstbäume" (lieber Thomas, ich bin Landschaftsgärtner, kein Obstbauer) oder überhaupt große Bäume. Der einzige Unterschied besteht darin, daß Bonsai kleiner sind, in einer Schale leben und weitaus jünger sind als so mancher Baum im Wald. Die Biologie ist die gleiche. Ein Bonsai wird genauso mit einer Wunde verfahren wie ein freilebender Baum.
Ich bat beim bonsai art - Forum um "Verständnis" für das Lebewesen Baum. Damit meinte ich keinesfalls, ihr sollt eure Bäume streicheln und gut zureden. Aber der Organismus Baum lebt anders als z.B. eine Katze oder funktioniert anders als ein Auto. Da weiß komischerweise jeder was zu tun ist, wenn die Tankanzeige leer anzeigt. Bei einem Baum wird meist gegen Ungeziefer, daß man nicht sieht gespritzt.
Zuletzt muß ich darauf hinweisen, daß das ganze nicht auf meinem Mist gewachsen ist, sondern ein amerikanischer Baumbiologe namens Alex L. Shigo nach über dreißigjähriger Forschung herausgefunden hat. Er hat über 15000 Bäume "seziert". Zudem gibt es weitere Forschungsarbeiten (Autoren momentan unbekannt) zum Thema Wundverschluß.
Das Buch "Moderne Baumpflege" von Alex L. Shigo kann ich nur jedem Baumliebhaber (und ich hoffe das ist nahezu jeder Bonsaianer) nahelegen, es geht zwar um große Bäume, aber eben um ihre Biologie. Ein sehr interessantes Thema, auch für einen Bonsaifreak. Natürlich muß jeder seinen eigenen Weg gehen, ich will auch nicht die Bonsaiwelt umkrempeln (vielleicht hat das schon jemand anderes gemacht). Sehr aufbauend fand ich die Unterstützung durch Herrn Pall, noch einmal danke. Leider ist Attenham zu weit weg von Lippstadt, ich wäre gern gekommen. Zuletzt eine Frage an sie, Herr Pall: Benutzen sie Wundverschluß? Und wenn ja, wofür?
Schon alleine die Tatsache, daß in einem nahegelegenen Bonsailaden auf die Frage des Wundverschlußes nur als Antwort kam: "Natürlich, was denn sonst?" ließ mich stutzen, so richtig was handfestes hat mir noch keiner liefern können.
Klar ist die Optik eine wichtige Sache, aber vorrangig sollte es doch auch um die Gesundheit des Baumes gehen und die ist teilweise nicht nach außen sichtbar!
So, und jetzt dürft ihr mich einer nach dem anderen auseinanderpflücken, ich hoffe ich habe Lindwurm und ThomasP nun einen Gefallen getan und hier gepostet, wie ich die Sache handhabe (in Thomas Augen verwirre ich mit meiner Meinung die Anfänger, schade, daß eine zweite Meinung nicht zulässig sein soll).
Ich hoffe auf rege Beteiligung, das Thema ist einfach zu interessant, als das man darüber schweigen könnte...
Mit vielen freundlichen Grüßen
Holger
@ ThomasP u. Lindwurm:
